Bei einem Besuch bei meiner Tante und meinem Onkel in Leipzig erzählte ich von unseren Schweinen. Ja! Schweinen! Denn über das "Schweinchen" Stadium sind sie schon eine Weile raus. Mein Onkel hörte mir zu, lachte und meinte : " Na, das ist doch mal wieder eine neue Geschichte  wert zu schreiben!" Stimmt! Also los....

 

Emma und Annabell

 

Unsere Zwei hören mittlerweile ganz gut, sie kommen wenn man sie ruft und sie Zeit haben.  Ich darf sie streicheln, wenn sie gerade in Stimmung sind und sie fressen mir sozusagen aus der Hand. Alles in allem also zufriedenstellend.

 

Einziges Problem: Klauen schneiden!

 

Als erstes lege ich die Schere ein paar Tage lang ins Gehege - aus sehr großem Abstand wird Diese misstrauisch beäugt. Schließlich kann Schwein ja nie wissen, ob das Ding nicht plötzlich losrennt... Da unsere Schere eine sehr Nette ist und einfach liegen bleibt, trauen sich Emma und Annabell nach ein paar Tagen sogar dran zu schnüffeln. Und siehe da - nichts passiert! Super! Zweiter Schritt: ich setze mich mit der Schere in der Hand zu ihnen ins Gehege. Erst mal bleibt die Schere ruhig. Trotzdem finden die Beiden die Schere nun wieder doof. Wieder gehen Tage ins Land, bis sie das Ding in meiner Hand untersucht  und für ungefährlich eingestuft haben. Nun wedele ich mit der Schere rum. Ohhhh!!! DAS ist nun wieder bedenklich! So doch nicht!!!! Nach weiteren Tagen wundern sie sich zwar über das wedelnde Frauchen, sind aber doch wieder beruhigt. Die hat halt nen Knall! Nächster Schritt: ich setze mich neben den Napf beim Fressen. Logisch - das Fressen dauert erst  dreimal so lange wie normal, denn was soll denn das nun wieder??? Wenn es dann ok ist, dass ich neben der Schüssel sitze, beginnt die Schere wieder sich zu bewegen. In Richtung Füße! Ach du Schreck!! Doch gefährlich das Ding! Sie haben es ja die ganze Zeit geahnt!!

Wenn die Schere zu den Klauen darf und sie trotzdem weiter fressen ist meine Zeit gekommen! Zack und schnipp!! Juhu, die erste Klaue ist geschnitten!! Meine Enttäuschung ist sehr groß, wenn ich feststellen muss, ich hab nur die Erde geschnitten....Denn das Ergebnis ist dasselbe - es dauert wieder Tage des "Anschleichens" bis ich wieder in die Lage komme nochmal zu zuschlagen.

Das Ganze klingt nicht nur langweilig - es ist langweilig! Nur da sitzen und warten, und ja keine falsche Bewegung zur falschen Zeit machen...Ist ja so ganz meine Welt...Ja, die Tiere lernen einem Geduld.

 

Bei einem Seminar, dass im Tierheim stattfand, sah ich einen Eber rum laufen. Die Leiterin erzählte, dass er bei ihr wohnte. Treppe hochlief und auch einen Platz auf dem Sofa hat. Also ein sehr zutraulicher Eber! "Übrigens", sagte sie zu einem Pfleger, "müsst ihr dem die Klauen mal wieder schneiden." Mein Stichwort: "Lässt der sich das gut machen?" "Na, der kriegt ordentlich Starkbier und dann muss  man halt schnell sein." "Aha....Also, Annabell und Emma bekommen keinen Alkohol!""Musste mal ins Schweineforum, machen alle dort so!"  Beim nächsten Einkauf lagen 2 Flaschen Starkbier in meinem Einkaufswagen - für jede Sau Eine.  Da die Beiden ja absolute Antialkoholiker waren, dachte ich mir, reicht eine Flasche für Jede.

 

Anfangen wollte ich mit Emma, lieber Eine nach der Anderen, zwecks dem "schnell sein". Sie soff die erste Flasche Starkbier ihres Lebens und lief selbst nach einer halben Stunde noch völlig normal durchs Gehege. Gut, dann kriegt sie halt auch die zweite Flasche!? Obwohl ich mir schon Gedanken machte, ob sie nicht eine Alkoholvergiftung bekommen könnte...Nein, sie hat keine bekommen, wurde aber leider auch nicht so betrunken dass sie die Schere in meiner Hand nicht mehr gesehen hat. Die vertragen was, ob die wohl heimlich doch saufen??? Experiment erfolglos abgebrochen! Beim nächsten Einkauf lagen 6 Flaschen im Wagen! Wollen wir doch mal sehen....

 

Leider bekam Emma kurze Zeit später Magenprobleme und ich wollte ihr kein Starkbier geben. Woher ich weiß, dass sie Magenprobleme hat? Weil sie , wie Hunde auch, ständig den Diener macht (vorne runter, hinten oben) und züngelt. Natürlich weiß ich nicht genau, was sie hat. Da gibt es ja auch verschiedene Erkrankungen.  Genau sagen, was sie hat, bzw. dann hatte, können wir wohl erst, wenn wir sie obduzieren lassen...               

Auf der Googlesuche nach Abhilfe, stieß ich auf Heilerde. Tatsächlich wurde es besser, aber leider nicht weg. Eine Freundin empfahl mir Pankriasenzyme. Die Apothekerin schaute mich  schon etwas merkwürdig an, als ich ihr erklärte, ich bräuchte die Enzyme für mein Schwein.  (Keine Ahnung was sie dachte ...)Trotz einer Woche Enzyme hatte Schweinchen immer noch Schmerzen. Abends nach der Fütterung, ich stand noch vor dem Gehege, kam sie schimpfend zu mir runter, schaute mich an und bruddelte sich in den Diener. Guck her, mir geht es immer noch nicht besser!

 

Also gut, nun musste die Tierärztin helfen. Meine Idee war, Emma auf den Dupps ein Breitbandantibiotika zu geben. Am besten in Tablettenform, damit man sie im Futter verstecken konnte.  Nach einigem recherchieren kam die Ärztin zu dem Ergebnis ihr eine Spritze mit einem für Schweine geeigneten Antibiotika und Eine mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel zu geben.  Uns war Beiden klar, dass das einen sehr guten Plan erforderte! Frau Doktor hatte Einen!     Wir würden Emma mit einem Brett in einer Ecke fixieren und Frau Doktor würde schnell spritzen. Am besten gleich beide Spritzen auf einmal. Der Plan hörte sich gut an, nur leider hatten wir ihn ohne Emma gemacht......

Die Ärztin kam nach Einbruch der Dunkelheit -  für unsere Schweinis  Schafenszeit - auch ohne Abendessen. Ich hatte sie nicht gefüttert, in der Hoffnung, sie dann mit dem Futter aus dem Stall locken zu können. Denkste! Es ist dunkel, brummten sie im Stall und dachten nicht dran raus zu kommen.

Das mit der Dunkelheit stimmte nicht so ganz, denn wir Beide liefen wie Christbäume vor uns her leuchtend durchs Gehege - zählte aber nicht!

Ich beugte mich in den Stall rein und scheuchte sie mit sanfter Gewalt raus. So, da war sie, die Emma! Los ging die Jagd! Bewaffnet mit meinem Brett düste ich hinter Emmchen durchs Gehege. Frau Doktor half, ohne Brett, dass sie nicht wieder in den Stall rein flitze und scheuchte mit in die verschiedenen Ecken.

Sicher ein sehr cooler Anblick, zwei Leuchtkugeln, die durchs Gehege flitzen!                                           

Jedes Mal, wenn ich die Gute in einer Ecke hatte, donnerte sie mir das Brett um die Ohren und floh.

"Ich brauch auch was", sprach Frau Doktor und schnappte sich die Duschwanne,  die im Sommer als Suhle diente.

"Die ist doch super schwer", wand ich ein, aber sie hatte sie schon und schleppte sie hinter der wutschnaubenden Emma her.                                                                                                   Nun waren wir Film reif!                                                                                                                                    

 Wir versuchten Emma zu erklären, dass wir ihr doch nur helfen wollten, während wir im Schlamm mit Brett und Duschwanne bewaffnet hoch und runter rutschten.

Auch die Wanne bremste Emma nicht aus. Sie knallte mit so einer Wucht dagegen, dass ich Sorge um Frau Doktor bekam.                          

Wir suchten einen neuen Plan. Frau Doktor meinte schließlich: "Wir stellen ein Brett so in den Stall, dass sie nicht nach hinten kann und ein Anderes davor, wenn sie drin ist. Da kann ich doch noch an sie ran!?" Gut, ist einen Versuch wert! Ich holte ein zweites Brett, dass wir im Stall , als Abgrenzung nach hinten,  reinschoben. Wir schafften es auch Emma in den Stall zu scheuchen, nur leider fand sie die Abgrenzung total blöd. Wumm - knallte sie die Abgrenzung innen weg und zack war die Absperrung außen samt mir weg.

                                                                                                        Wir gaben auf, so war das nicht zu schaffen.

Ich stand total verzweifelt mit meinem Brett da,  als mich die Worte "das andere Schwein ist weg" aufschreckten.

Anna hatte sich aus dem Staub gemacht! Super! In der Dunkelheit ein schwarzes Schwein suchen!

                                                                                                         Während ich nach Annabell suchte, wollte Frau Doktor runter zum Auto, um zu schauen, was sie für Emma sonst tun konnte. Großspurig lief ich hinter her, und meinte, Annabell würde schon wieder in den Stall gehen, sie dürfe nur nicht in den unteren Garten, der sei  nicht ausbruchsicher. Aber ,kein Problem, ich mach einfach das Zwischentor zu. Gerade als ich dabei war das Tor zu schließen, kam von ganz unten der Aufschrei: hier ist sie! Mist, Tor wieder auf und ab runter Annabell hoch locken. Bis in den oberen Garten kam sie brav mit, aber dann dackelte sie überall hin, bloß nicht zum Stall.  

Nun war ich mittlerweile unter Zeitdruck, schloss das Zwischentor und ging. Sie würde schon in den Stall gehen, wenn sie genug rum gedappt war. 

Ich bekam noch Medikamente für Emma und beeilte mich ins Training zu kommen.

Doch wie das so ist.....ich hatte keine Ruhe. Um 22 Uhr ging ich mit den Hunden nochmal raus und in den Garten nach Annabell schauen. Schon als ich auf das Tor zulief hörte ich sie grunzen. Soviel zum Thema "die wird schon in den Stall gehen!" Doch dieses Mal ließ sie sich von mir den Weg ins Gehege leuchten, kam mit und verschwand im Stall . Ich konnte beruhigt ins Bett - alles wieder da wo es hingehört!

Emma bekommt nun Antibiotika und Schmerzmittel in flüssiger Form in ihr Futter und wir hoffen, dass es ihr hilft.

Lammzeit

 

Eine jedes Mal super spannende Zeit für uns.

Im Moment erwarten wir zum vierten Mal Lämmer.

 

Vor der ersten Lammung habe ich mich rund gelesen, was man alles beachten muss, wie man richtig bei der Geburt hilft etc.

Auch nahmen wir Kontakt zu anderen Schafbesitzern auf, und besuchten sogar Eine. Alle waren sehr nett, nur nicht unbedingt hilfreich für meine Bedenken bezüglich der Ablammung.

War ich bis dahin noch nicht nervös genug gewesen, nach dem Besuch war ich es! Gott, was alles passieren kann!

Am Tag nach unserem Besuch bei Frau Schäferin rannte ich zu unserem Kleintierarzt und bestellte alles, was mir Frau Schäferin geraten hatte, da zu haben.

Mein Tierarzt schmunzelte "Wissen Sie denn auch, wie man das alles anwendet?"

"Theoretisch! Sehr theoretisch! Und praktisch rufe ich Sie dann an, denn der nächste Großtierarzt ist zu weit weg."

Er weigerte sich! Auf keinen Fall würde er kommen, da er keine Ahnung von Schafgeburten hätte! Aber doch sicher mehr als ich!

Trotz Aufbietung meines ganzen Charmes, konnte ich ihn nicht überzeugen.

Verzweiflung!

Ich zog mir weitere YouTube Videos rein und verzweifelte noch mehr.

Frau Schäferin hatte weiter erklärt, dass man vierzehn Tage vor dem errechneten, möglichen Geburtstermin schon mal mit Stallrunden beginnen müsse.  Das heißt, alle zwei Stunden, rund um die Uhr, in den Stall gehen und nach sehen, ob noch alles ok ist. Zwei Stunden sei ein guter Zeitraum, um mit zu bekommen, wenn bei Einer die Wehen einsetzen oder eingesetzt haben.

 

Ich nahm das sehr ernst und rannte direkt los!

Nach einer Woche war ich platt!

Alle zwei Stunden im Stall zu stehen, bedeutet höchstens eine Stunde Schlaf zu bekommen. Vor allem bei winterlich grausamen Temperaturen. Bis ich angehost war, hoch gerannt bin, mich davon überzeugt hatte, dass ich meine Schafe nur schon wieder im Schlaf gestört hatte, wieder runter düste, alles wieder auswurschtelte, blieb mir noch eine Stunde zwanzig Minuten bis zum nächsten Gang.

Nach einer Woche hatte ich schwere Probleme 1 und 1 zusammen zu zählen.

Ich verstand nun, dass man mit Schlafentzug die Leute um den Verstand bringen kann.

Volker hielt die Stallrunden für totalen Quatsch!

"Was machen denn die Schafe , die draußen stehen? Glaubst du, der Schäfer rennt bei hundert Schafen die ganzen Nächte durch um zu gucken, ob Eins Hilfe braucht?"

"Wir haben aber keine hundert Schafe, sondern Drei! Und das auch keine wasweißichwas für Schafe sondern kleine Goldklümpchen!"

 

Nach weiteren zwei Tagen und Nächten erbarmte sich meine Tochter Nicki und übernahm eine Nacht.

Schlaf.......

Eine weitere Nacht übernahm Jasmin - schon wieder schlaf!

Es blieb ruhig, kein Lamm kam. Wir gaben auf und ich blieb eine Woche in meinem Bett! Zwei Wochen für Nix gerannt! Frust!

Doch dann gab es ernste Anzeichen, dass es nun wohl doch bald soweit sein könnte. Der Zwei-Stunden- Run begann von Neuem.

Drei Tage später wurde um 21 Uhr das erste Lamm geboren! Die Geburt verlief einwandfrei! Trotzdem musste ich bis zum nächsten Morgen im Stall bleiben.

Warum?

Weil ich in einem der Videos gesehen hatte, dass man in Kanada die Schafe schallt, damit man weiß, ob sie Eins, Zwillinge oder gar Drillinge erwarten. Man musste ja wissen, auf was man sich einstellen muss.

Volker hielt natürlich auch das für kompletten Quark, gab sich aber geschlagen und ich suchte einen Tierarzt mit mobilem Schallgerät.

Wer sucht, der findet!

Doktorchen kam - in Cityslippern!, aber mit Schallgerät. Keine Ahnung in was für Stallungen er sonst so verkehrt, bei unseren Schlammverhältnissen jedenfalls kam er mit seinen schicken Schuhen nicht ganz so zurecht.

Auf jeden Fall ergab seine Schallung Zwillinge bei allen dreien!

Wow! Wahnsinn!

So, und deshalb schlug ich mir die ganze Nacht um die Ohren, wartend auf den Zwilling, den es leider nicht gab! Nicki wartete mit mir und wurde ob der Kauerei der Schafe immer stinkinger, bis sie es schließlich nicht mehr aushielt und ging.

Total erfroren ging ich morgens, als Volker kam, nach unten um mich ein bisschen aufzutauen.

Ich konnte noch nicht mal meinen kleinen Zehen wieder spüren, als mein Gatte anrief, ich müsse wieder kommen, die nächste würde wohl lammen.

Biene brachte ihr Pünktchen auf die Welt. Reibungslos! Aber auch bei ihr war kein zweites Lamm in Sicht!

Leider ließ sie ihr Lamm nicht an die Zitzen. Den ganzen Tag versuchten wir sie zu überreden, ihre Kleine doch trinken zu lassen - sie weigerte sich.

Nicki kümmerte sich rührend um die Kleine. Pumpte bei Biene ab und gab es Pünktchen aus der Flasche.

Als es Abend wurde gab ich auf. Ich weigerte mich nun meinerseits noch eine Nacht zu rennen um stündlich das Lamm zu säugen.

"Ich geh jetzt ins Bett!" und weg war ich.

Es wurden noch zwei weitere Nächte, in denen wir nach Pünktchen schauen mussten, dann erst hatte Biene verstanden, dass sie für ihr Lamm zuständig war.

Die erste Nacht hatte Nicki übernommen, die meinen "Abgang" schon verstanden hatte.

Irgendwann ist halt mal gut!

Ein paar Tage später hatte auch Katie ihre Mücke geboren und war von Anfang an eine gute Mutter.

 

Wenn die Zwerge da sind, ist man fast geneigt, diese blöden Stallrunden zu vergessen. Wer die aber auch erfunden hat!?!

 

Im Jahr darauf war Volker immer noch der Meinung, Stallrunden seien totaler Unsinn.

In der dritten Stallrunden Nacht - 20, 22, 24, 2 Uhr -  krebselte

 ich um 4 Uhr erneut in meine gefühlt tausend Sachen, als ich die Kaffeemaschine hörte!

Wie jetzt?

Mein geliebter ( in dem Moment eher weniger geliebter) Gatte stand putzmunter in der Küche! Grrrrrrrrr....

"Was machst du denn? Ich hab doch gesagt, ich geh dann irgendwann!"

Irgendwann!!!

Wortlos marschierte ich in die Eiseskälte zum Stall hoch.

 

Diese frühe Begegnung, brachte mich zum Nachdenken. Warum machte ich mich so verrückt, dann lassen wir das halt mit diesem blöden Gerenne!

Wird schon alles schief gehen.

 

Ein paar Tage blieb alles ruhig - kein Lamm wollte bei diesem Wetter raus.

 

Samstag früh kam mein Mann ein bisschen weiß um die Nase vom Garten zurück.

Biene hatte gelammt, leider war das Lamm zertrampelt im Stall gelegen.

"So, nun haste eine Begründung für diese total bescheuerten Stallrunden" waren meine tröstenden Worte.

 

Ab diesem Moment wurde wieder gelaufen und Volker ging morgens nicht "irgendwann" hoch, sondern hielt sich an den 2-Stunden-Rythmus.

Die anderen Lämmer kamen gesund und munter auf die Welt. Unsere Brownie bekam sogar braune Zwillinge.

 

Natürlich ging die Rätselei auch letztes Jahr wieder los.

Ist es schon so weit oder eher doch noch nicht? Müssen wir schon laufen oder können wir noch im Bett bleiben?

Ich bin sehr gespannt, ob das jemals besser wird und wir eindeutig die Zeichen erkennen, die eine nahende Geburt anzeigt.

 

Brownie war uns im Herbst an irgendwelchen dämlichen Bakterien gestorben. Sie war mein Lieblingsschaf, und ich trauerte schwer.

Nun waren es nur noch vier Ladys, die Lämmer bekommen sollten.

 

Katie fing an. Sie brachte eines Abends einen kleinen Bock zur Welt. Leider war er ziemlich klein und sah so ein bisschen unausgereift aus. Katie nahm ihn gar nicht richtig an.

 

Volker heizte die Hütte ein damit wir den Wurm warm kriegten.

Bärle saß neben mir und half mir mit dem Zwerg. Sie schleckte seine Ohren, die Nase und das Maul während ich ihn am Körper warm ruppelte.

Drei Stunden später brachte Katie noch ein Mini Mädchen tot zur Welt.

Um das kleine Böckchen kümmerten wir uns noch bis zum späten Vormittag, dann war ich nicht nur tot müde, sondern erkannte auch  die Sinnlosigkeit.

Böcklein würde es nicht schaffen...

Nicki wollte noch nicht aufgeben. Sie kümmerte sich weiter um ihn.

Nach meinem Mittagsschlaf war er gestorben...

 

Wenn das so weitergeht....

 

Ein paar Tage später lag Biene vormittags in den Wehen.

Wehe um Wehe kam und ging und nichts passierte. Nach drei Stunden hatte sie keine Wehen mehr!

Schreck lass nach ! Tierarzt muss her!

Die kam und holte klein Bärbel von gaaaaaaaanz unten raus!

Puh! Mutter lebte, Lamm lebte! Gut gegangen!

 

Pünktchen verhielt sich total unauffällig.

"Ob die überhaupt trächtig ist?"

Wir gingen Sonntag mittags runter um uns aufzuwärmen und Kaffee zu trinken.

Zwei Stunden später, als wir wieder hoch kamen, hüpfte Arnie auf Pünktchen rum!

So kann`s auch laufen, geil!

 

Nun musste Mücke ihr Lamm noch bekommen.

Als es bei ihr losging, schmiss sie mich hochkant aus dem Stall!

"Wenn du`s allein schaffst, ist `s ja gut!" Trotzdem blieb ich in der Nähe, man weiß ja nie...

Eine Wehe folgte der anderen, da kam plötzlich ein Huf zum Vorschein.

Nur ein Huf?????? Wo ist der Kopf???

Mücke presste und presste, mir platzte schier der Kopf, so konnte ich mitfühlen, doch leider blieb es bei dem Pfitzelchen Huf.

Plötzlich schrie Mücke los!

Gott, wie ein Schaf schreien kann...

Da war keine Zeit mehr auf den Tierarzt von "Hinter Pfui Teufel" zu warten....

Augen zu und durch...

"Lamm egal, Mücke muss leben!" flüsterte ich mir beruhigend zu und griff hinein. Da, da steckte der blöde Kopf fest! "Oh Hilfe, ich brech dem das Genick! Egal, das Lamm muss raus!"

Was soll ich sagen? Das Lamm lebte! Nix Genickbruch! Alles richtig gemacht! Ein kleines Mädchen! Und Mücke sträubte sich, es trinken zu lassen!

"Das geht jetzt mal gar nicht! Nicht nach dieser Tortur! Du lässt jetzt gefälligst sofort dein Lamm trinken!" Ich war stinke sauer mit diesem Schaf, und das bekam sie auch zu spüren. An die Wand gedrückt, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Kleine trinken zu lassen.

Wir machten die Übung noch drei, viermal, dann hatte Mücke es kapiert.

 

Lammzeit mal wieder zu Ende.

Kurz darauf starb uns Katie an dem gleichen Mist, wie Brownie.

 

Tja, und nun sind wir zum vierten Mal in der Lammzeit.

Wieder wird jede Bewegung, jede Verhaltensänderung genauestens beobachtet. Den einen Tag bin ich der Meinung bei Biene ist es jeden Moment soweit, am nächsten Tag denke ich, es dauert noch eine Weile. Aber bei Pünktchen könnte es gleich soweit sein usw.  usw.

Ja, wir laufen wieder. Wir wollen ja kein Risiko mehr eingehen.

Ihr wisst also Bescheid, wenn ihr mich ein bisschen neben der Kappe rumlaufen seht...

Unsere Schweinchen Emma und Annabell

 

Nach unseren anfänglichen Differenzen über ihren Aufenthaltsort - Sauhalde oder Stall bei uns- sind die Beiden längst heimisch geworden - bei uns im Stall!

Auch den Umzug in den neuen Stall haben sie mit nur wenig Unmut akzeptiert. Schließlich steht nun ein Apfelbaum im Gehege! Das zusätzliche Futter fällt nun also vom Himmel - was will Sau mehr?

 

Leider haben wir es auch bei diesen, eigentlich alles fressenden Geschöpfen geschafft, dass sie mittlerweile gewisse Ansprüche an ihr Futter stellen. Salat fressen die Damen nur noch, wenn er mit einem guten Dressing angemacht ist.

Vorzugsweise mit Balsamessig. Ohne Dressing geht gar nicht mehr. Sie gehen hin, riechen dran und pöbeln mich dann an. Annabell schiebt ihren Rüssel voll Wut unter meine Kniescheibe und schiebt sie nach oben.

Kein sehr angenehmes Gefühl. Wenn ich mir also mal erlaube unangemachten Salat zu servieren, verlasse ich das Gehege auf schnellstem Weg und bringe mich in Sicherheit.

Mit Karoffelschalen (natürlich von gekochten Kartoffeln) verhält es sich genauso. " Wie nur Schalen???? Wo ist der Salat, der gute Brei, die Bratkartoffeln????" Wutschnaubend wird durchs Gehege gegrunzt!

Sind eben Feinschmeckerschweine geworden.

Ist bestimmt der Grund dafür, dass sie nicht mehr so aushäusig sind.....Das heißt, sie kommen wieder mit heim, wenn sie unterwegs waren. Hat eben alles auch sein Gutes.

Annabell ist in letzter Zeit hin und wieder mal über Wege und Wiesen unterwegs gewesen.  Das erste Mal, weil sie in der Rauscher in einen Schafbock verliebt war. Die Schafe werden morgens auf die Wiese hochgebracht, somit musste sie eben auch raus und hinterher. Wir haben den ganzen Zaun abgesucht und nicht gefunden, wo diese Sau raus gekommen ist. Einzige Möglichkeit, die wir entdeckten, war das Tor. Das hätte sie unten auseinander drücken können. Wir holten sie zurück und schlossen diesen Ausgang.

Tag drauf war Annabell wieder über Wiesen und Felder unterwegs!

Wieder holten wir sie zurück, aber dann legte ich mich mal wieder auf die Lauer. Klar ließ sie sich richtig Zeit, bis sie mir den "Ausgang" zeigte.

Emma hingegen ist mit der Größe beider Gärten voll zufrieden, zumindest momentan.

In der Rauscher hat sich Emma mal in unser Bärle verliebt, das war fatal! Bärle hasst unsere Schweine und scheucht sie, wann immer sie es für richtig hält, durch den Garten.

In verliebtem Zustand lassen sich die Schweinchen aber nicht scheuchen, schon gar nicht von ihrem "Opfer" weg. Sie stehen völlig unbeweglich vor ihre Liebe hin und starren sie an. Bärle lächelte, was ihr Gebiss hergab - Emma blieb!

Der Klügere gibt nach - Bärle ging.

In Emma kam Leben: Rüssel hoch und hinterher! Vor Bärle erstarrte sie wieder, mit einem glücklichen Gesichtsausdruck.

Unser Hund war an diesem Tag der Verzweiflung nahe, sie verstand die Welt nicht mehr. Ja, die Liebe....

Annabell hatte sich auch schon in Clyde verliebt. Leider reichte es der Guten nicht, ihn durch das Gehege hindurch anzuschmachten. In Windeseile sägte sie ein Brett durch! Die Begeisterung von Clyde hielt sich sehr in Grenzen - eine Sau in seinem Gehege! Er brachte sehr schnell Leben in Emma mit seinen Hörnern! Für uns bedeutet dieses verlieben jedes Mal einen Reparatureinsatz. Man hat ja sonst auch nicht viel zu tun.....

 

Eines Tages entdeckte Annabell, dass an ihr ein "Hütehund" verloren gegangen ist. Die Schweine grasten mit den weiblichen Schafen in einem Gehege vor sich hin. Schaf und Schwein wollten wohl den gleichen Grashalm verspeisen. " So nicht!" Annabell verteidigte ihn und schlug das Schaf in die Flucht.

Verdutzt über ihren Erfolg, stand sie da, den Grashalm völlig vergessend, und dachte darüber nach. Sie kam zu dem Entschluss, es nochmal zu probieren.

Wieder schlug sie ein Schaf in die Flucht! Toll!                                         

Nun kam sie richtig in Fahrt und trieb alle Schafe in eine Ecke rein. Man konnte dieser Sau richtig ansehen, wie stolz sie über ihren Erfolg war.

Wenn ein Schaf sich aus dem Eck befreien wollte, wurde Annabell doppelt so groß und grunzte drohend. Das wirkte, die Schafe blieben, wo sie waren.

Am nächsten Tag durften die Böcke in dieses Gehege mit rein. Annabell startete durch - und stand vor einem Bock. Der wich keinen Zentimeter von der Stelle. Die Beiden standen sich eine ganze Weile unbeweglich gegenüber, Annabell jede Borste nach oben gestellt. Nichts! Er wich nicht zurück!

Plötzlich hatte Annabell die Nase voll, ging laut grunzend  auf den Bock los und biss ihn in seine Wolle - der blieb, wo er war, völlig unbeeindruckt von der wutschnaubenden Annabell.

Die verstand die Welt nicht mehr! Was war nur mit diesen Schafen los?

Ihr Zorn rief den zweiten Bock auf den Plan. Nun biss sie abwechselnd in den Einen und dann in den Anderen - ohne Erfolg!

Die Gute verzweifelte schier!

Die Böcke hatten nach einiger Zeit genug von dem Theater und schwupp - kullerte eine Sau durchs Gehege!

Poah!! Was war das???

Annabell stand auf, schüttelte sich und startete noch wütender durch!

Das Spiel ging von vorne los...

Eins muss man ihr ja lassen, so schnell gibt sie nicht auf, sie kullerte noch etliche Male durchs Gehege!

 

Schweine sind sehr saubere Tiere. Naja, nicht in der Körperhygiene, da wird sich schon in der Schlammbrühe gewälzt, aber was die Reinlichkeit im Stall angeht und die Sauberkeit ihrer " Toilette".

Wehe, eine muss ein Häufchen machen und das wird nicht schnell genug entfernt! Dann wird geschimpftgrunzend eine Gosch voll Stroh aus dem Stall geholt und die Hinterlassenschaft zugedeckt.

In den Stall wird nicht rein gemacht. Die "Toilette" ist an der Stelle im Gehege, die am weitesten vom Stall entfernt ist. Manchmal erwarte ich schon fast, dass sie mich um Toilettenpapier bitten.

 

Wir kommen mittlerweile sehr gut miteinander aus. Ich rufe, sie kommen, lassen sich streicheln und sind für Quark auch bereit Tricks mit mir zu üben.

Einziges Thema, bei dem sehr viel, wirklich extrem viel, Geduld von mir erwartet wird, ist das Nägel schneiden.

Pfote festhalten geht schon mal überhaupt gar nicht!

Was hab ich mit denen "Pfote anlangen" geübt! Bis zum Umfallen! Doch leider sind wir nie über das  Anlangen hinaus gekommen. Anlangen ja - hochheben,  auf keinen Fall! Und mit dem Ding in der Hand, wird auch nicht mehr angefasst! Klar?

Nun brauche ich pro Sau oft 2-3 Wochen, bis ich alle Nägel geschnitten habe.

Sie bekommen ihr Futter und ich liege auf der Lauer, schleiche mit der Schere an den jeweiligen Fuß- und zack - ist der Nagel ab oder eben halt auch nicht.

Bei Matschwetter schneide ich dann auch oft den Boden.

Leider sieht sich auch ein Tierarzt nicht in der Lage dazu, da Schweine selbst bei Narkose nur bedingt schlafen. Langt man sie an, sind sie ziemlich schnell ziemlich wach....

So kämpfen wir halt weiter im Zufallsprinzip.

 

Der ganz normale Wahnsinn...

 

 

Das ist jetzt mal was ganz untierisches, aber ich muss es erzählen....

 

Zum Verständnis muss ich Folgendes vorab sagen: ich bin ein absolutes Orientierungsgenie!

Wenn man mich aussetzt, hat man eine annähernd 100%ige Chance mich für immer los zu sein!

Aber, meine Strecken kenne ich, da find ich mich zurecht.

Nächster Punkt: ich bin in Leonberg aufgewachsen und habe bis zu meinem 30. Lebensjahr auch dort gewohnt. Das kenne ich!

 

So, diese Informationen sind wichtig, um Folgendes zu verstehen:

 

Mein Plan frühmorgens zum Baustoffhändler zu fahren, Steine für das Grab meiner Eltern zu kaufen, Blumen und Werkzeug einzupacken und nach Leonberg (von Zuffenhausen aus) zu fahren, scheiterte am überfüllten Bad.

 

Dann eben Planänderung: erst einkaufen gehen und danach schauen, ob die Zeit bis zum Gassi gehen noch reicht für die Fahrt nach Leonberg.

Wurde knapp, doch erst Gassi gehen. Ist ja auch viel druckfreieres Grab richten.

 

Ab zum Baustoffhändler.

 Schade! Seit Neuestem haben die Mittagspause!

Also, wieder heim, Kaffee trinken, Blumen und Friedhofstasche ins Auto und nach Ablauf der Pause wieder hinfahren.

Die nehmen das ganz genau mit der Pause, eher zu genau! Keine Minute vor 13 Uhr, nein 2 Minuten nach ging die Türe auf.

 

"Ich brauch weißen Kiesel."

"Wir haben nur den da offen, sonst Tüten."

"Na der ist ja nicht weiß! Also Tüten."

Ich packte 2x 25kg Tüten in mein Auto und wunderte mich, dass Volker den Kiesel das letzte Mal doch in Eimern gebracht hatte.

Beim Zahlen wunderte ich mich nochmal - so viel hatte mein Mann bestimmt nicht bezahlt. Das hätte er erwähnt.

Nun ja, wird schon passen.

 

Jetzt aber ab auf die Autobahn nach Leonberg.

Es war zwar viel Verkehr, aber es lief gut.

Wenn es zurück auch so laufen würde, wäre ich voll in der Zeit. Schließlich mussten die Ställe noch geputzt werden, die Hunde wollten wieder raus etc.

So in meine Gedanken vertieft traf mich plötzlich der Schlag!

Die hatten meine Ausfahrt zu gemacht! Das gibt`s doch nicht! Das können die doch nicht machen!

Nun blieb mir ja nicht viel anderes übrig, als weiter zu fahren. Panisch ging ich in Gedanken die nächsten Ausfahrten durch. Sindelfingen erschien mir besser, als weiter Richtung Flughafen zu fahren. Auch Vaihingen, da ja Stuttgart-Vaihingen, gefiel mir nicht. Ich wollte ja nach Leonberg! Es blieb also bei Sindelfingen, da sollte ich doch nach Leonberg finden....

Diese Hoffnung schwand, als ich dort ankam.

Auf keinem Auge blickte ich, wo in Sindelfingen ich mich befand.

Jetzt konnte nur noch das Navi helfen.

Madame sprang auch sofort nach Eingabe an und lotste mich durch die unbekannten Straßen - wieder auf die Autobahn!

Im letzten Moment bog ich rechts ab. Nein, so nicht! Nicht mit mir! Ich fahre nicht mehr auf diese Autobahn!

Nur was jetzt?? Juhu, ein Schild auf dem Stuttgart stand!

Gut, dann soll es halt heute nicht sein mit dem Friedhof. Hauptsache ich komm wieder heim.

Schöne Waldstraße, doch wo führt die wohl hin??

Nun bekam ich auch noch Nervenzucken am Hintern. Nervte mich wohl doch ganz schön diese ungewisse Fahrt!

Vor mir tauchten Häuser auf......Ich war in Vaihingen!

Na den Umweg hätte ich mir wohl sparen können.

Meine Madame wagte schon wieder den Versuch mich auf die Autobahn zu lenken!

Ich sagte doch:  Nein!

Wieder war ich auf mich allein gestellt. Doofes Navi!

Durch Vaihingen kurvend entdeckte ich wieder ein Hinweisschild auf Stuttgart und landete auf einer Schnellstraße. Erste Ausfahrt: Universitäten - kam nicht in Frage, lieber weiter fahren. Das nächste Schild mit "Weilimdorf" beruhigte mich ein bisschen, das dann folgende löste wahre Freude aus: Leonberg!

Ha, ich hab`s gefunden!

 

Als ich endlich, nach dieser Irrfahrt  am Friedhof ankam, waren alle Parkplätze voll. Nur der allerletzte, am weitesten vom Eingang weg liegende, war noch frei. So ein Mist, ich brauchte doch einen Karren, um die Steine bis nach hinten zu dem Grab zu kriegen. Warum war das denn auch so voll? Allgemeiner Grab- richten- Tag?

Nein, eine Beerdigung.

 

Ich düste los, rein in den Friedhof, schnappte mir eine Karre und flitzte zurück zum Auto.

Eine ältere Frau schaute mir interessiert zu, wie ich die Steinsäcke in den Karren wuchtete.

"Wollen sie die auf ein Grab machen?" Nee, in den Wald streuen!

"Ja"

"Das wollte ich auch, weil mir das auch so gefällt, aber stellen Sie sich vor, da brauchen Sie eine Genehmigung von der Stadt"

"Ich will bloß auffüllen"

"Gucken Sie mal, da hängt ein Zettel drin, dass man alle Steine von den Gräbern runter holen muss!"

"Mach ich. Tschüss!" sprach`s und hing am Karren.

Man, war der schwer zu ziehen! Das waren doch nur 50kg Steine und keine 500!

Plötzlich hatte ich ein Déjà-vu !

Luftreifen! Leonberg!

 

Mein Vater war an Alzheimer erkrankt, die zu jenem Zeitpunkt schon sehr fortgeschritten war. Da er kaum noch laufen konnte, ich aber mit ihm zum Leonberger Pferdemarktumzug wollte, lieh mir das Pflegeheim einen Rollstuhl aus.

Ich parkte im Ramtel vor dem Haus indem er gewohnt hatte, packte den Rollstuhl aus und Papili hinein. Und los!

Von wegen "und los". Ich schob wie eine Kranke!

"Puh, wie man sowas selbstständig vorwärts bringt?? Das geht ja wahnsinnig schwer", stöhnte ich.

Den Plan, nach dem Umzug noch über den Festplatz zu gehen, gab ich schon nach den ersten 10m auf.

Als wir an einem Rote Kreuz Wagen vorbei kamen, die gerade auch dabei waren Rollstühle raus zu holen, sprach ich die jungen Männer an.

"Gibt es irgendwas, was man beim Aufbau falsch machen kann? Mein Rollstuhl fährt sich so schwer."

Einer der Männer schaute zu uns rüber. "Nun ja, das nicht, aber Luft in den Reifen wäre wohl schon gut!"

 

 

Ich drehte mich zu meinem Karren um - nein, das gibt es doch nicht! Platten!

Also, jetzt reicht es aber langsam!

Zielsicher hatte ich mir den einzigen Karren mit Platten rausgeholt!

Schwitzend zog ich ihn bis zum Friedhof rein und tauschte ihn aus.

Siehe da, dieser zog sich doch gleich viel leichter.

 

Am Grab angekommen musste ich dann feststellen, dass meine Steine nicht identisch mit den schon vorhandenen waren. Okay, ich hatte ja 2 Säcke, dann musste ich eben gut verteilen.

Fertig! Schön sieht es wieder aus! Ab nach Hause.

Ich dippelte los und fand mich mit meiner knallroten Regenjacke und dazu farblich passenden Gummistiefeln mitten in der Beerdigungsgesellschaft wieder. Da ich so unauffällig war, erstarb jedes Gespräch mit Blick auf mich!

Sorry, aber ich gehöre ja auch nicht dazu......

 

 

 

Mal ein ganz entspannter Spaziergang

 

Neulich wollte ich mit meinen Hunden mal ganz in Ruhe Gassi gehen.

Nicht an jedem Eck mit irgendwelchen Hunden zusammenknallen, deren Besitzer mit mir diskutieren wollen oder mich beschimpfen, weil ich drei Hunde habe...

Neulich lief ich mit meinen angeleinten Hunden, die brav rechts und links neben mir waren, als ein Eurasier im Galopp auf uns zugerannt kam. Leider hielt er nichts von meinen Bemühungen ihn zu vertreiben und kam her. Bärle war schon auf 180! Ich rief der Besitzerin zu, sie möge doch bitte ihren Hund abrufen.  Ging nicht! Dann doch bitte holen, bevor es hier kracht! Sie kam an und meinte zu mir "Das ist aber schon bedenklich, wenn sie mit drei Hunden unterwegs sind und die nicht im Griff haben!" Aha!

Andere beteuern aus der Ferne "Der macht nix!". Aber eventuell meine! Angeleint und zu dritt!

"Ach, lassen wir sie doch spielen!" ist auch ein oft gehörter Satz. Auf ein "Nein" von mir folgen dann entweder Beschimpfungen oder viele Fragen.

Eine Zeit lang habe ich behauptet meine Hunde hätten Herzwürmer. "Wenn sie wollen, lassen sie ihren Hund ruhig zu meinen her, aber Herzwürmer sind schwer ansteckend!"

Das hat super geklappt! So schnell, wie der andere Hund aus unserer Reichweite verschwand, konnte man gar nicht schauen. Nur irgendwann ist es halt durch, man begegnet ja meist denselben Leuten.

Tja, und manchmal hab ich eben diese Begegnungen satt, packe meine Drei ein und verlasse die Stadt. Schon nach ca. 15 Minuten bin ich in einem Gebiet, das nicht überlaufen und weit ein sichtbar ist, so dass man im "Notfall" rechtzeitig einen anderen Weg einschlagen kann.

Wo das ist, wird nicht verraten, es soll ja so bleiben wie es ist.

Jedenfalls liefen wir los und ich freute mich auf einen entspannten Spaziergang.

Nach fünf Minuten klackerte etwas hinter mir her....

Ich drehte mich um und sah Sunny auf mich zu klackern. Er schaute mich ziemlich verdutzt an, er verstand das Geklacker wohl auch nicht. Da sah ich die Ursache!

"Stopp! Bleib sofort stehen!" In seinem Hinterfuß steckte eine zerbrochene Schnapsflasche mit der Schnittfläche in seinem Ballen! "Ach du sch...." entfuhr es mir.

Noch blutete es nicht, aber was, wenn ich sie rauszog?

Ich wickelte meinen Schal ab um gleich abbinden zu können. Vorsichtig zog ich die Flasche raus und.....nichts! Er hatte nicht mal einen Kratzer!

Plums, fiel der Stein von meinem Herzen.

Ich ließ sein Bein los und wollte gerade tief durchatmen, da..."Oh man!" düsten alle Drei dem Horizont entgegen hinter einem Hasen her.

Nach etlichen Pfiffen kamen zumindest mal Sunny und Bärle wieder in Sichtweite. Von Gypsy fehlte weiter jede Spur.

Nun muss ich dazu sagen, dass Gypsy im Moment Probleme mit ihrem Hinterlauf hatte und so ein "Ritt" über die Äcker sicher nicht zuträglich ist.

Ich sah sie vor meinem geistigen Auge schon plärrend im Acker liegen.

Fluchend ging ich mit den beiden Anderen in die Jagdrichtung - da kam sie.

Leider wieder humpelnd!

Die Drei mussten an der Leine laufen und sich mein Geschimpfe anhören. Erst als mir drei Damen entgegen kamen schwieg ich, denn es kommt bestimmt komisch, vor sich hin schimpfend spazieren zu gehen.

"Ach, ihnen gehört der Hund! Ist sie abgehauen?"

"Nein, alle Drei! Die Beiden waren nur schneller zurück!"

"Warum denn?"

"Hasenjagd!"

"Ohhhhhhhhh, haben sie den Hasen........?"

Ich beruhigte die Damen, der Hase lebte und konnte weitere Hunde zur Jagd auffordern.

"Wir dachten schon, der Hund sei ausgesetzt worden."

"Daran denke ich im Moment!"

Sie sahen mich erstaunt an, wünschten mir einen schönen Tag und gingen weiter.

Irgendwann hatte ich mich wieder beruhigt und leinte meine "Nerventöter" wieder ab.

Fehler!

Ich hatte gerade noch ein "Wehe" ausgesprochen, da waren sie schon wieder weg!

Das gibt`s doch nicht! Dafür fahre ich mit denen hier raus!

Was für ein total entspannter Spaziergang!

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Unser tierisches Jahr 2015

 

Angefangen hat das Jahr schön schrecklich.

Unsere Gypsy hatte am 30.12.14 ihre Welpen bekommen und war bis zum 1.Januar eine vorbildliche Mutter.

Am 1.Januar jedoch wurde sie erst unruhig und dann .... ja  und dann trampelte sie auf ihren Welpen rum!

Sofort war klar, da stimmt was gar nicht - ab in die Klinik.

Dort wurde festgestellt, dass noch 2, bereits tote, Welpen in ihr waren.

Zwecks der Gefahr Bakterien in den Bauchraum zu kriegen durch einen Kaiserschnitt , wurde sie kastriert.

Ein paar Tage stand es gar nicht gut um sie, und nahm uns die Freude über die Welpen.

Doch dann ging es bergauf und es war eine Freude ihr mit ihren Kindern zu    zusehen.

Die Kleinen wurden täglich mobiler und nahmen uns ganz in Anspruch.

 

Mitte Januar kam Volker morgens vom Stall runter und erzählte mir fassungslos: "Da steht ein Lamm im Stall!"

Nun muss ich erklären, dass nach unserer Rechnung erst Mitte bis Ende Februar mit Lämmern zu rechnen gewesen wäre - da ist Mitte Januar schon früh!

Die Kleine stand putzmunter und gar nicht wie eine Frühgeburt aussehend im Stall und begrüßt mich mit einem fröhlichen Gemecker. "Junge, junge, die hat das Organ von ihrer Mutter geerbt." Da Katie sich liebevoll um ihre Tochter kümmerte und die anderen ja erst in frühestens einem Monat lammen würden, widmeten wir uns wieder dem Welpenchaos.

Ein paar Tage später wiederholte sich die Scene .

Wieder kam Volker von seiner Morgenfütterung zurück und war wieder fassungslos! Leider war es diesmal nicht gut gegangen. Biene`s Lamm war tot. Das Jahr vorher war Biene auch erst nach 3 Tagen und Nächten bereit gewesen ihre Rolle als Mutter anzunehmen. Unsere Tochter hatte sie mühevoll davon überzeugt, ihre Tochter Pünktchen an ihre Zitzen zu lassen und das Ganze noch ohne sie tot zu trampeln. Dann aber war sie eine gute Mutter, die sehr auf ihr Lamm aufpasste.

Dieses Jahr war Keiner da gewesen, der ihr ihre Mutterrolle aufschwatzte.

 

Anfang Februar mussten dann die neuen Familien für unsere Schneebällchen ausgesucht werden. Ein Kleiner sollte bei uns bleiben , einem Mädchen wollte unsere Tochter ein Zuhause geben.

Für die anderen 3 mussten wir geeignete Menschen finden.

Es haben sich viele Interessenten gemeldet  - und es war schwer!

Eigentlich haben sich Frau Rot, Frau Blau, Frau Braun, Herr Schwarz und Herr Grau selbst ihre neuen Familien ausgesucht.

Als die zukünftige Familie von Frau Rot kam, war auch Frau Blau noch zu haben. Doch Frau Rot schaute dem Sohn tief in die Augen und es erschienen "Herzlein" in der Luft. Die Entscheidung war gefallen!

Die Familie von Frau Blau kam, stieg über die Absperrung ins Welpenzimmer und wollte gerade die kleine Frau Blau "rausschauen", als Gypsy ins Zimmer sprang. Und wenn die Milchbar kam, wuselten sofort alle hin.

Vier Kinnladen gingen nach unten - und 2 Sekunden später wieder hoch!

Alle außer Frau Blau waren zu Milchbar gerannt!

Die saß in der Mitte der Familie und schaute wartend von Einem zum Anderen.

"Halloooooo, hier bin ich!"

Was soll man da noch sagen??

 

Frau Braun hatte sich auch mächtig ins Zeug gelegt, unsere Tochter zu überzeugen, dass nur sie die Richtige wäre. Eigentlich war Nicki von Anfang an von Frau Braun sehr angetan, nur hatte sie Bedenken, dass sie ihr doch zu langweilig wäre. Frau Braun saß nämlich immer sehr kläglich schauend vor der Balkontüre und wollte wieder rein, während ihre Geschwister draußen rum tobten.

Zur Wahl stand noch Frau Rosa. Doch wie gesagt, Frau Braun, nun Pucki, bemühte sich sehr um Nicki - und gewann. Langweilig ist Pucki übrigens nicht im aller geringsten Ansatz!

 

Herr Schwarz war mein absoluter Liebling. Als Kleinster hatte er sich immer schwer durchkämpfen müssen um nicht von seinen Schwestern einfach von der Milchbar weggedrängt zu werden.

Als die Entscheidung fallen musste, welcher der Beiden Zwerge nun bei uns bleiben sollte, strengte sich Herr Grau extrem an, mir zu gefallen. Meine Männer hatten sich ja eh schon für ihn entschieden, also musste Herr Schwarz gehen.

Er hatte als Erster eine "neue Heimat", ganz wie ich es mir für ihn gewünscht hatte. Leider bekam ich dann doch eine Absage.

Die nächste Stelle wäre fast noch besser gewesen. Mein Bauch sagte ja!

Gleich am nächsten Tag wollten sie vorbei kommen und den kleinen Mann kennen lernen. Tage später bekam ich den Anruf, das sie wegen langwieriger Krankheit, von einem Welpen  leider absehen mussten.

Nun fing ich an, Volker davon  überzeugen zu wollen, dass wir beide Rüden behalten. Leider mit mäßigem Erfolg.

Es meldete sich eine Frau auf Schneeball Schwarz und bekundete heftiges Interesse. Sie wollte unbedingt vorbei kommen.

Kurzerhand ratterte ich ihr alle meine Bedenken runter und dass sie, egal wie weit sie fahren müsse, den Welpen auf keinen Fall gleich mit bekommen würde. Die Abgabe an die neuen Besitzer hatte zwar bereits begonnen, aber ich wollte mich nicht überrumpeln lassen und es wo möglich hinterher bereuen.

Die Gute ließ sich von mir nicht abschrecken und stand am Sonntag darauf vor der Tür.

Wohl oder übel musste ich zugeben, dass sie mir sehr sympathisch war.

Wir tranken Kaffee und unterhielten uns, bis sie es nicht mehr aushielt und zu den Welpis wollte.

Unsere Welpen sind eigentlich zu allen Menschen immer hergekommen, auch Herr Schwarz. Nur war er nicht der Erste, der angerannt kam. Er schaute immer erst mal, und ließ die Anderen vor.

Wir gingen also rüber, sie setzte sich sofort auf den Boden und hatte in der nächsten Sekunde Herrn Schwarz auf dem Schoß! Das gab`s doch nicht!

Das hat er noch nie gemacht!

Die gute Frau schaute mir tief in die Augen.......

"Tja, ok, ok! Da ist er jetzt selber schuld!" entfuhr es mir.

Damit verließ uns Herr Schwarz.

 

Alle Drei entwickeln sich schön, und unsere Beiden natürlich auch :-).

In Kürze werden sie schon ein Jahr alt.

 

 

Zwischen durch hat Browni noch zwei süße braune Lämmer bekommen. Die Beiden haben sie mächtig ausgezehrt. Doch sie erholte sich gut davon.

 

Anfang März verließen uns die Kinder von Gypsy und es wurde wieder ruhiger bei uns.

 

Nun ja, von so Kleinigkeiten, wie Emma wieder an der Bundesstraße, Clyde mal wieder im falschen Garten, die Schafe außerhalb ihres Geheges usw. abgesehen.

 

Am 9.Juni war ich abends wie immer bei den Ziegen zum füttern. Mit Bonny hatte ich noch eine Diskussion darüber, wer der Herr über den Futtereimer ist. Sie war zwar nicht meiner Meinung, aber auch nicht nachtragend und begleitete mich noch zum Tor, meckerte mir "einen schönen Abend" hinterher und trabte zu Clyde zurück.

Alles in allem - alles wie immer.

 

Am nächsten Morgen rief mich wieder einmal Volker von seiner Morgenfütterung an! "Bonny ist tot!"

Ich weiß nicht, ob man mich verstehen kann, aber langsam fing ich an, diese morgendlichen Anrufe von Volker zu fürchten.

Mit Hilfe einer Freundin lud er Bonny in eine Schubkarre und stellte sie in einen Unterstand, Palette davor, gut. Abends wollten wir sie ins Institut bringen, um ihren Tot klären zu lassen.

Clyde lag den ganzen Tag davor und bewachte sie. Nichts konnte ihn weglocken.

Als Volker abends den Karren mit Bonny zum Auto raus fuhr, geleitet Clyde seine Bonny auf ihrem letzen Weg bis der Kofferraumdeckel zu war....

So gemein Clyde manchmal zu Bonny gewesen war, er vermisste sie sichtlich.

Was tun???

Die Suche nach einer kleinen Ziege begann und gestaltete sich nicht so einfach. Die Meisten gaben keine Ziege ohne Bock ab und das wollte ich Clyde nicht antun. Zwecks des Altersunterschiedes, um nicht in ein paar Jahren wieder vor dem gleichen Problem zu stehen, hätten wir am liebsten gleich zwei Zicklein genommen. Noch schwieriger!

Doch wer lange sucht und schwätzt, der findet!!!

Der Tierpark in Pforzheim überließ uns - schweren Herzens - zwei drei Monate alte Mädchen.

Hanni und Nanni zogen bei Clyde ein. Von nun an lebte er wieder sichtlich auf.

 

Bei den Schafen entschieden wir uns dazu, einen der Zwillinge und Max kastrieren zu lassen. Termin wurde ausgemacht.

Volker nahm an dem Tag frei und wartete im Stall auf die Tierärztin.

Als sie kam, schickte ich sie hoch und ging einige Zeit später nach.

Im Stall angekommen, stand mein Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht und verkreutzten Beinen im Stall. Huch!! Ist da was falsch gelaufen????

Ich schaute fragend von Einem zum Anderen....

Erst dann sah ich die riesen Klemme am Hoden von Max und atmete auf - Volker hatte Phantomschmerzen! ( Oder wie nennt man das ?)

Gut, es sah tatsächlich nicht besonders angenehm aus, aber Max durfte von schönen grünen Weiden träumen....

 

Bei Schoko ( zugegeben ein blöder Name - aber der Welpenstreß) ging alles gut, aber Max bekam richtig Probleme. Er fraß nichts mehr, bekam wohl eine Lungenentzündung und wurde dünner und dünner. Er bekam Antibiotika , dass vermutlich bis an sein Lebensende, das  möglichst weit weg ist, reichen wird. Sein Zustand wurde aber leider nicht besser. Die Ärztin konnte ihm nicht mehr helfen. Ich könne noch anrufen, wenn ich mich dabei besser fühlen würde, aber mehr könne sie für Max nicht tun. Toll!

Doch so schnell geben wir nicht auf!

Ich nahm Kontakt zu unserem Scherer auf, der Schafe in und auswendig kennt.

Per Telefon wies er mich verschiedene Versuche an. Leider nicht mit dem "gewünschten" Ergebnis. "Schwierig per Telefon! Ich kann leider nicht zu euch kommen und Max zu transportieren ist nicht ratsam. Ihr habt aber einen tollen Großtierarzt in eurer Nähe. Ruf den mal an."

Gesagt, getan und schon war er da.

"Das kriegen wir hin!" klang gut. Anderes Panzenmittel, Panzenmassage (und , oh weh, seine Hoden sind ja voll entzündet) usw. und siehe da - Max ist fit wie eh und jeh!!!

Leider ist er, trotz aller Qualen, nicht kastriert! Die Zange war wohl zu klein....

Volker leidet noch heute unter der Kastration! Wie kann man nur.....

 

Ruhe hatten wir mal wieder nicht sehr lange, denn der Schafschnupfen zog ein... Rotz, rotz....

Anton fing damit an, dann schnupfte ein Bock nach dem Anderen. Max nicht!.

Wen wundert das ???

Auch das kriegte Dr. Wunder hin. Es zog sich zwar, aber trotzdem -  Dr. bekam das in Griff.

 

Im Herbst fing dann Emma (Schwein) an zu humpeln. Gut, zu lange Nägel, war ja klar!

Es dauert zwar seine Zeit, aber mit Geduld und Schnelligkeit bekomme ich die Nägel der Schweine schon geschnitten. Emma und ich machten uns an die Arbeit! Humpelfuß bekam die Nägel geschnitten, mit dem Ergebnis - sie humpelt immer noch!

"Dann könnte es Arthrose sein", sprach mein Tierarzt des Vertrauens.

So ein Mist!

 

 

Nun folgte wieder ein morgendlicher Anruf meines Gatten!

Er ereilte mich auf dem Hundeplatz, Samstag vormittags.

"Browni steht nicht auf!" Sch...

An Ort und Stelle rief ich den Tierarzt an, der versprach sofort zu kommen.

Schnell fuhr ich heim und rannte in den Stall. Mein Lieblingsschaf lag da und wollte unter keinen Umständen aufstehen.

Oh weh, hoffentlich nix schlimmes....
Tierdoktor kam, wir gingen in den Stall und.......Browni stand!

Ein klein wenig kam ich mir blöd vor...."Bis grad hat sie nix zum aufstehen gebracht", verteidigte ich mich. "Die steht aber schon ein wenig wackelig", meinte der Doc. Er untersuchte sie, und stellte fest "die hat es auf den Bronchen" und "Das kriegen wir hin".

Gott sei Dank!!

Sonntag früh wieder ein Anruf meines Mannes aus dem Stall..........

"Nun liegt sie auf der Seite!"

Als ich das an den Tierarzt weitergab, kam ein nicht sehr begeistert klingendes "Oh" und "Ich komm".

Es sah schlecht aus um meine Browni, doch ich versuchte den ganzen Sonntag über ihr wieder Leben einzuflößen in Form von Panzenmittel und Zuspruch und Kreislaufstärkung in dem ich sie auf die Füße stellen wollte.

Gegen Abend war ihr Zustand miserabel. Ich schickte Dr. Tier eine Tonaufnahme von ihrem Atem und er antwortete umgehend, er käme sofort!

War klar warum.....

Meine Browni fehlt mir heute immer noch sehr! Nur ein Schaf....

Aber eben ein sehr zauberhaftes Schaf!

 

Nun haben wir Dezember, kurz vor Weihnachten, und ich hoffe, dieses nicht sehr schöne Jahr geht ohne weitere tierische Katastrophen still seinem Ende entgegen. Und das nächste Jahr beginnt wieder mit der Lammzeit......

 

 

Nachtrag :-(.

War ja klar, dass unser "tierisches Jahr" noch nicht rum war.

Kaum hatte ich die Geschichte eingestellt, da geschah es.....

 

Das Wetter war super an dem Tag und Volker meinte, er müsse den

Schafen was Gutes tun. "Wir bringen sie ins alte Ziegengehege rüber, dann können sie ein bisschen grasen und sich mal wieder mehr bewegen."

Gesagt, getan.

Wir gingen wieder runter in den unteren Garten und wurschtelten dort rum. Arbeit geht ja nie aus, denn Volker baut - Tiere bauen ab.

 

Nach einiger Zeit wollte Volker den Ziegen die Hufe schneiden.

Dringend nötig, also los.

Das neue Ziegengehege liegt gegenüber von dem alten, in dem ja zu der Zeit die Böcke hätten sein sollen.

Ich schnappte mir Hanni und setzte mich auf ein Brett mit ihr, damit Volker schneiden konnte. Zack, hatte ich die kleinen Hörner in der Wange! "Super, na hoffentlich wird das schön blau. Ist dann halt mal ne andere Farbe für Rouge".

"Volker, da plätschert was!" Er hörte auf zu schneiden und schaute rüber zu den Schafen.  "Mist! Da ist einer im Auffangbecken!"

Dieses Becken gehört nicht mehr zu dem Grundstück, das von uns bewirtschaftet wird. Dieses Becken ist im Garten darunter! Und leider ist es ganz schön tief. Das hatte auch schon Bonny festgestellt. Die Beiden hatten ja eine wahre Leidenschaft dafür entwickelt, immer wieder neue Wege aus ihrem Gehege in den darunterliegenden Garten zu finden.  Auf ca. 250m hatten wir nach und nach alle "Löcher" gestopft - dachten wir. Die Schafe zeigten uns ja nun, das irgendwo halt doch noch ein Schlupf war.

Volker düste los den Schlüssel zu holen, während ich das blubbernde "Mäh" von Blacky hörte und immer nervöser wurde.

Schnell rannten wir ihm zu Hilfe. Volker hob ihn raus und Blacky fiel einfach um! Schiet!

Doch nach kurzer Zeit stand er auf und schüttelte sich kräftig. Erleichterung!

Nun kam aber das nächste Problem, er war ja nass  bis auf die Haut und nachts war es ja nicht mehr so warm. "Der kriegt bestimmt ne Lungenentzündung"

Wir sperrten ihn in einen separaten Stall, den wir bis oben hin mit Stroh füllten und ich versuchte ihm mit Handtüchern das Wasser aus der Wolle zu drücken.

Nun mussten wir abwarten.

Er hat es gut überstanden obwohl er schon drei Tage gebraucht hat um wieder trocken zu werden.

 

Das war die letzte Aktion unserer Tiere im Jahre 2015!

 

 

Und ab in`s Allgäu

 

 

Wie immer, total kurzfristig, beschlossen mein lieber Mann und ich: Wir fahren doch in Urlaub!

 

Da wir letztes Jahr bis Krk gefahren sind, nur um dort den südlichen Dauerregen kennen zu lernen, wollten wir diese Jahr nicht so weit fahren.

Kurz vor knapp, in  der immer noch Hauptsaison, eine Ferienwohnung zu finden, ist Jahr für Jahr eine Herausforderung. Dazu noch mit 3 Hunden!

 

Im Allgäu wurden wir fündig!

Als unsere große Tochter, die ja einen Welpen von Gypsy behalten hat, erfuhr, wann wir fahren wollten, bekam sie große Augen. " Da ist doch der Schäferlauf!"

Uuuuiiii Mist! Daran hatten wir nicht mehr gedacht!

Nicki muss am Schäferlauf von Freitag bis Dienstag durcharbeiten und leider ist dort nicht der richtige Ort für einen Hund. Für einen so Jungen sowieso nicht.

Schon als sie überlegt hatte, einen Welpen zu behalten, hatte sie das angesprochen und wir hatten ihr versprochen, dass Pucki zu uns könne in dieser Zeit.

"Dann fährt Pucki halt mit ins Allgläu!", sprach mein Mann.

"Klar, warum nicht?! Ob drei oder vier Hunde ist dann auch voll wurscht!", war meine Meinung. Ein entsetzter Aufschrei "Eine ganze Woche ohne meine Pucki??!! Das halt ich nicht aus!" "Dann holst sie halt vorher ab. Im Allgäu ist man ja gleich.", sprach der Vater.

Die Sache war beschlossen!

 

Sonntag fuhren wir mit vier Hunden zu unserem Feriendomizil.

Das Auto war gerammelt voll - das meiste Gepäck war von den Hunden.

 

Bei 30 Grad wollten wir auch gleich an einen der Seen mit unseren Wasser liebenden Hunden.

Gar nicht so einfach eine Stelle am See zu finden, an der Hunde erlaubt sind.

Und hatte ich eine Stelle entdeckt, meinte Volker, da könne man doch mit vier Hunden nicht hin!

Aha! Mit Einem ja mit Vier nein! Warum???

 

Nun gut, wir waren mit den Hunden laufen, sie hatten in einem Bach rein dürfen, selbstverständlich hatten sie auch schon Futter bekommen - nun hatte ich Durst!

Kam von Volker: "Du willst mit vier Hunden in ein Lokal?"

Langsam hatte ich genug, mir war heiß - ich stand vorm See, ich hatte Durst - und durfte in kein Lokal??

"Ja, will ich! Lieber mit vier erzogenen als mit einem unerzogenen!"

"Wie du meinst."

In dem Ort, durch den wir wieder zurück fuhren, gab es ein paar Lokale mit sehr schöner Terrasse, direkt am See.

In welches Lokal wollte mich mein Mann führen??? In ein abseits gelegenes total - nun ja, wie soll ich sagen .....in eine Spelunke!

"Wir fahren an den See und gehen dort in ein nettes Lokal mit schönem Ausblick!", ich schaute ihn an "Sag es nicht! Ja, mit vier Hunden!"

Kaum hatten wir uns an den Tisch gesetzt, legten sich alle Vier brav hin.

Die Bedienung kam und strahlte "Gott, haben Sie zwei schöne Hunde!"

Volker: "Vier!"

"Vier? Ich seh aber nur zwei....Ach da!"

Siehste, geht doch!

Ein Ehepaar betrat die Terrasse. Sie zu ihm: "Oh, schau mal, das sind ja zwei schöne Hunde!"

Volker: "Vier"

 

Beim Abendessen im Lokal am Ort das selbe Spiel: Volker "Vier"

Wir könnten uns ein Schild umhängen, wäre eventuell einfacher?!

 

Da sich der Albsee am Vortag als nicht so günstig erwiesen hatte um mit vier Hunden baden zu gehen, beschlossen wir, die anderen Seen mal anzufahren.

Wir fuhren und fuhren...... Soviel hatten wir noch nie vom Allgäu gesehen.

Entweder Strandbad, oder Schilf oder man kam nicht hin oder es waren zu viele Menschen um mit vier Hunden hin zu gehen.

Da fiel mir plötzlich Herr Google ein! Leider erst nach ca. 2 Stunden Fahrt.

Herr Google hatte auch gleich eine Antwort und führte uns an einen wunderschönen, wenn auch etwas kühleren See, an dem Hunde erlaubt sind.

Hurra! Alle drei Weißen waren schneller im Wasser, wie wir gucken konnten.

Für die beiden Jungen war es das erste Mal, dass sie so richtig schwimmen konnten.

Pucki schwamm ruhig vor sich hin, während Sunny das Wasser tot zu schlagen versuchte.

"Der schwimmt ja selbst trampelig!", lacht ich los.

Bärle trabte gemütlich im flachen Wasser rum und schaute, dass genug Abstand zwischen ihr und den weißen Ungeheuern war.

 

Und abends ging`s wieder über die Wiese in "unser" Lokal zu Heidi.

Einen Abend später saßen wir mit am Stammtisch! Trotz vier Hunden!

 

Dienstagnacht kam Nicki um ihre Pucki zu holen - da waren´s nur noch Drei!

 

Am Donnerstag regnete es, trotzdem wollten, bzw. mussten wir laufen. Nur bei dem Regen den Berg hoch machte keinen Sinn.

"Wir laufen von hier aus in den nächsten Ort. Der Weg ist doch schön.", schlug Volker vor.

Unterwegs fanden wir einen Wasserfall ausgeschildert in 40 Minuten zu erreichen.

Da gehen wir hin! 40 Minuten hin, 40 Minuten zurück - das war genug für nasse Füße.

Wir hatten Regenjacken dabei und sogar unsere Hüte, aber leider keine wasserdichten Schuhe!

Man kann halt nicht an alles denken!

 

Der Weg führte uns an einer Kuhweide vorbei. "Die Kühe hier sind echt riesig! Und die  Einzäunung ist ja ein Witz! So ein dünnes Drähtchen in 50 cm Höhe! Wen soll denn das abhalten?? Diese mutierten Riesenviecher?" " Wieso sollten die denn raus?" kam die Gegenfrage meines Gatten.

"Tja, das frag ich mich bei unseren Viechern ja auch immer, wieso die rausgehen. Sie tun es halt trotzdem! Hast du eigentlich mit gekriegt, dass in Österreich ein Touri von Kühen zertrampelt wurde?"

Nein, hätte er nicht und die Kühe hier seien auch nicht größer als anderswo auch!

"Doch sind sie!!"

 

Der Weg zum Wasserfall, der sich als Wasserfällchen entpuppte, ging rechts ab in den Wald den Berg runter und bestand aus viel nassem Wurzelwerk. Klar, bei dem Regen!

Unten angekommen plantschten die Hunde in dem Bach und Volker meinte, wir könnten doch dem anderen Schild weiter folgen und vieleicht einen Rundweg hin bekommen.

Also stiegen wir auf der anderen Seite den Berg wieder rauf.

Oben angekommen standen wir vor einem Weidetor.

"Hälst du es für günstig mit drei Hunden durch eine Kuhweide zu gehen?" wollte ich wissen.

"Da führt der Weg lang. Außerdem sind da keine Kühe drin", sprach`s und ging mit Sunny durch das Tor.

Was blieb mir übrig? Also, auch durch mit Gypsy und Bärle. Volker stapfte schon gute 30 Meter vor mir. "Da sind doch Kühe, aber komm, die wollen nix von uns", versprach er mir.

Adlerauge!!!!!

 Da standen sie! Leider hatte nicht nur ich sie, sondern sie auch mich entdeckt!

Immer die Kühe im Blick lief ich hinter meinem Gatten her. "Wo kommt man denn da wieder raus?", wollte ich wissen. "Na hier ist das Schild." "Das wollte ich nicht wissen! Sondern wo man wieder raus kommt?" "Erst da oben", er zeigte ans andere Ende der Weide.

Zwei der Kühe hatten sich nebeneinander gestellt und stierten zu mir runter. Langsam trabten sie an.....

"Ich dreh um! Die kommen!", teilte ich meinem Mann mit, drehte mich um und lief zurück.

Nicht rennen - nicht rennen - nicht rennen betete ich mir vor, sonst werden die auch schneller!

Blöd nur, dass das den Kühen wohl egal war, sie wurden trotzdem schneller. Sch... wurden die schnell!!!

Dieses vermaledeite Tor kam und kam nicht näher! Dafür aber die Kühe!

Endlich!!

Am Tor hatte ich dann vor lauter "lass mich auch mit" ein Leinengekuddel! Gypsy kam nicht durch! Und dann rannte auch noch Sunny dazwischen!

Volker hatte auch umgedreht, und als die Kühe immer schneller wurden, hatte er Sunny losgelassen um besser laufen zu können.

"Lass die Hunde los! Ich muss auch noch durch!", hörte ich hinter mir, da hatte ich es aber auch grade geschafft. Wir waren durch! Kurz danach kam Volker und hinter ihm klirrten die Kuhglocken an das Tor!

Unter völligem Adrenalinschock und drei Hunden an der Leine raste ich den rutschigen Berg runter und an der anderen Seite wieder hoch ohne auch nur einmal auszurutschen!

Nix wie raus aus dem Wald!

Ich ließ mich auf die Bank am Weg oben fallen und versuchte mir eine Zigarette anzuzünden.

Das ist gar nicht so einfach mit so zittrigen Händen!

Die Kuhglocken klingelten!

Ich schaute nach links und rechts - nichts als Landschaft!

"Was machen wir denn, wenn die uns nach sind und kommen?"

"Die gehen ja schon mal nicht über die Brücke, da die ja aus diesen Rosten besteht. Und wenn doch, dann gehen wir hinter die Baumstämme. Da wären wir sicher, Kühe klettern nicht", beruhigte mich Volker.

Ich schaute die drei Baumstämmchen mir gegenüber an, stand auf und lief in gestrecktem Galopp los.

"Willst du nicht wenigstens deine Zigarette voll rauchen?"

"Nein, zumindest nicht hier! Du hälst mich wohl für platinblond??

Gehen nicht über die Brücke!! Haben die Angst nasse Füße zu kriegen?? Das ist kein reisender Fluss, das ist ein 5 cm hohes Wässerchen!

Hinter die Baumstämme!!!!

Klar, da stoppen die und sagen "Huch, da kommen wir Zwerglein nicht hoch!" Es geht ja auch nicht rechts oder links an den Stämmen vorbei!!"

 

Nach einigen hundert Metern wurde ich wieder langsamer - die Kühe kamen nicht!

 

Volker erklärte mir dann noch, hätte er einen Stock gehabt, hätte er die Weide nicht verlassen. "Stöcke kennen die, da haben sie Respekt!"

Joa, 10 Kühe, darunter einige Jungstiere kommen im gestreckten Galopp angerannt und bleiben wie angewurzelt stehen, weil mein Mann mit einem Stock in der Hand wedelt!

Wer das ausprobieren will, bitte!

 

Im Laufe der Wegstrecke wurde mir bewusst, dass wir ja nochmal auf Kühe treffen würden!

Die waren ja auch nur mit diesem dünnen Draht von dem Weg abgetrennt!

 

"Hast du dich bewaffnet, falls die jetzt auch durchdrehen?"

"Ja", antwortete mein Mann. Ich schaute ihn an (?????)"Mit was?"

"Na hier, die Leine".

"Volker, das ist jetzt nicht dein Ernst?! Du willst diese Riesenviecher mit der Leine abhalten?"

"Was glaubst du, wenn die den Karabiner auf die Nase kriegen!"

"Damit kitzelst du die doch bloß!"

 

Anscheinend hatte das Kuhtelefon funktioniert!

Die meisten der Viecher standen direkt am Weg und glotzen uns entgegen! Und Sunny glotzte zurück!

Das ging gar nicht! Nicht auch noch provozieren!

Schnell holte ich den Leckerlibeutel aus der Tasche und zog ihn Sunny über`s Maul.

Nicht angucken - nicht angucken, flüsterte ich vor mich hin und eilte so schnell man gehend und nicht rennend vorwärts kam an den Monstertieren vorbei.

 

Erst als das Geklingel leiser wurde fühlte ich mich wieder sicherer.

 

Übrigens bin ich zu einer Erkenntnis gelangt: der Spruch "Vor Angst in die Hose machen" ist völliger Blödsinn! Das geht gar nicht! Dazu kommt man gar nicht! Auch das gefriert einem, wie das Blut!

 

Abends bei Heidi am Stammtisch, erzählten wir von unserem Abenteuer.

Einer der Bauern meinte "Do musch dua steha bleiba und wedla, dann gangen dia"

Aha! Klar, noch Einer, der mich für blond hält...

"Eins ist jedenfalls klar", verkündete ich "in`s Allgäu komm ich nicht mehr! Zu viele Riesenkühe!"

"Des koasch doch et macha!" war Heidi entsetzt.

 

Am nächsten Tag, unserem Letzten, wollten wir auch noch mal laufen.

"Aber nur da, wo keine Kühe sind", bat ich Volker.

"Tja, das wird schwierig im Allgäu...."

Wir entschieden uns, den Ort diesmal in der anderen Richtung zu verlassen.

Und wieder..........Direkt am Wegesrand eine Kuhherde! Und natürlich auch nur dieses Drähtchen!

Mit gefrorenen Adern und auch sonst keiner menschlichen Regung mehr passierte ich die Weide. "Ich will keine Kuh mehr lebend sehen! Nur noch in Teilen auf meinem Teller!"

 

Im nächsten Ort machten wir erst mal eine Einkehrpause. Bei einem kühlen Weizenbier erklärte ich Volker, dass ich auf keinen Fall mehr an Kühen vorbei wollte.

"Wir könnten doch an der Hauptstraße langlaufen!?"

"Das ist eine Bundesstraße!"

"Na, ich will ja nicht auf der Straße laufen, sondern daneben. Wir können doch in der Wiese daneben laufen?"

"Da weiden auch Kühe!"

"Oh Gott, dann will ich doch auf der Straße laufen..."

Volker machte mir den Vorschlag, zu warten, er würde heimlaufen und mich mit dem Auto abholen kommen.

"Das ist doch auch Mist! Dann wart und wart ich und ihr seid von den Kühen zertrampelt! Das ist auf keinen Fall entspannend! Dann geh ich lieber mit und werd auch zertrampelt!"

Volker gab sich geschlagen.

"Ok, wir gucken, wann der nächste Bus fährt. Vor dem Lokal ist gleich eine Haltestelle."

Puh!!!!!

 

Jesses, haben die große Fahrpläne! Volker studierte und studierte.....

"Vorne am Sportplatz fährt in 15 Minuten Einer los. Wenn wir uns beeilen, schaffen wir das!, war das Ergebnis seines Studiums.

Logisch schaffen wir das!

Wir flitzten wie die Angestochenen los und waren rechtzeitig da!

So, nun konnte der Bus kommen!

"Jetzt lass uns halt los laufen. Der kommt nicht!"

"Doch, der kommt bestimmt! Lass uns noch kurz warten", flehte ich.

Volker begab sich zu dem zeitungsgroßen Fahrplan.

Wieder studierte und studierte er, dann "Ich hätte gleich die Agenda lesen sollen, aber die ist ja irre lang. Es kommt heute kein Bus mehr vor 18 Uhr! Wir sind umsonst gerannt."

Wegen der Rennerei war es mir nicht, nur jetzt musste ich ja wohl doch an den Kühen vorbei. Mist!

 

Die Weide kam in Sicht - Atem Probleme - wir kamen näher - die Kühe glotzten!

Nicht schon wieder, bitte.

Und tatsächlich kamen diese doofen Tiere runter an den Zaun und liefen mit uns mit!

Nun hatte ich nicht nur Atem Probleme, sondern pure Panik!

Da kamen von hinten gleich 3 Autos angefahren. An uns vorbei fuhren sie Schritttempo und so hatte ich ein Auto zwischen mir und den Mistviechern. Vorbei ließ ich sie erst, als die Weide hinter uns lag.

Was dann in mir vorging, kann ich nicht sagen. Ich rannte die ganze Strecke wie frisch angezunden. Stehen blieb ich erst im Ort, weil ich den Weg nicht wusste.

Mein lieber Mann war stink sauer! "Willst du jetzt nur noch im Dauerlauf hier rum rennen?"

Am liebsten gar nicht mehr!

 

Unseren letzten Abend gingen wir natürlich wieder zu Heidi.

Zu vorgerückter Stunde und einigen Runden Schnaps wollte Heidi uns noch einen wunderschönen Ort zeigen. "Ihr gehts jetza no mit auf d Alm hoch!"

"Wirklich gerne, aber wir wollen morgen fahren und außerdem gehe ich an keiner Kuh mehr vorbei und da oben sind ja ganz sicher welche. Und das dann auch noch im Dunkeln!"

"Naa, do sand koina Kieh"

Leute ich bin nicht so blöd wie ich wohl offensichtlich wirke!

Volker wollte noch mit, also gingen wir halt noch .

Hoch wurden wir gefahren, aber später runter mussten wir dann laufen.

 

Auf der Alm war es wirklich schön und gemütlich. Leider konnte ich das nicht so ganz genießen bei dem Gedanken an den Heimweg.

Plötzlich sagte die Freundin von Heidi, sie würde mit ??? runter fahren.

Meine Gelegenheit! "Würde der mich und die Hunde auch mitnehmen?"

"Müss ma fraga" Gut, fragen wir! Ich holte mir schon mal den Hausschlüssel von Volker.

Der Fahrer war einverstanden. Nun kam das nächste Problem: die Hunde in das kleine Auto reinbringen. Bärle war sofort drin, dann setzte ich mich hinten rein und holte Gypsy mit.

Sie stand mit den HInterbeinen im Fußraum und die Vorderpfoten stellte sie auf meine Schultern. Sunny ging vorne in die gleiche Stellung, wie seine Mutter.

Egal, wir waren drin und es war ja nicht weit.

Gott war ich froh, als sich unten war.

In der Wohnung versuchte ich mich wach zu halten, denn Volker musste ja auch noch rein.

Irgendwann gab ich aber auf und ging ins Bett. Bärle würde schon anschlagen, wenn Volker heim kommt. Bärle bellt ohne Ende, wenn es klingelt. Immer! Und sehr anhaltend!

Wäre zwar blöd wegen der Nachbarn, aber eben nicht zu ändern ich musste ins Bett.

 

Wach wurde ich, nicht weil Bärle bellte, sondern weil Sunny mit seiner tiefen Stimme "Wuff" machte.

Volker hatte wohl geklingelt und geklingelt - und die Tür blieb zu!

Als er sich schon, in Malerdecken eingewickelt, unter dem Balkon schlafen sah, kam er auf die Idee mal ans Schlafzimmerfenster zu klopfen. Und siehe da, es funktionierte!

Bärle hatte wohl nicht eingesehen, Volker rein zu lassen. "Und wehe ihr sagt was! Sonst werd ich  immer ausgeschimpft, wenn ich bell, nun war ich halt mal still!"

 

Die Heimfahrt am nächsten Tag traten wir unwesentlich später an, nur ca. 3 Stunden, als geplant. Wir fuhren eine Tankstelle an, die auf dem Weg lag, tankten und fuhren wieder zurück... Falsche Einfahrt!

Kurz und gut - wir sind ja wieder da, also haben wir schlussendlich doch noch heim gefunden.

 

Therapierte Hunde

 

Therapierte Hunde !?!

Kurz entschlossen, so wie wir das immer machen, ging es für 4 Tage in den bayrischen Wald. Auf den Bauernhof von Frau Pilsl, wo wir schon einmal vor genau 18 Jahren waren.

 

Untergriesbach – Stollberg – 3 Bauernhöfe!! Entspannung pur!!

 

Den Hof inklusive Ferienwohnungen und, nicht zu vergessen, Frau Rilsl gibt es tatsächlich noch !!! Und eine freie Wohnung, Hunde dürfen auch mit! Na dann los!

Mir, als Hundemutti, kam noch kurz der Gedanke: Frau Rilsl: Katzen! Oh, oh!!

Nicht, dass jetzt der Gedanke aufkommt, unsere Hunde sind nicht erzogen – wir sind doch auf dem Hupla!!

Nein, die sind erzogen, die folgen auf fast jedes Wort, nur eben nicht bei Katzen, Hühnern, Hasen, Rehe…..Da folgen sie meist ab dem 3.Pfiff.

Aber immerhin!!

Nun gut, unsere Wohnung ging ja nicht zum Innenhof sondern zu den Feldern raus, da wird das Ganze schon gut gehen, tröstete ich mich.

 

Also, eingepackt, hingefahren und gestaunt: alles noch so wie früher (was nicht negativ zu verstehen ist!). Frau Rilsl konnte sich leider nicht mehr an uns erinnern. Gut, nun mit einem Kind und zwei Hunden mehr, Jasmin hat sich in den 18 Jahren auch ein bisschen verändert – versteht man!

Bei Frau Rilsl gibt`s ja auch Veränderungen: keine Kühe mehr – dafür Dinkelladen! Ist ruhiger und zieht die Mücken nicht so an!

Nur Katzen hat sie immer noch, genau 15 Stück!

Eine davon kennt uns auch noch, die ist nämlich 27 Jahre alt!

Sie kann es nur nicht mehr so zeigen, da sie schlecht sieht, schwerhörig ist, kaum mehr laufen kann und auch sonst noch ein paar altersbedingte Wehwehchen hat. Guuuut, so genau kann ich mich auch nicht mehr an sie erinnern L…..

Frau Rilsl hat auch einen Hund! Der, bzw. die, jagt allerdings keine Katzen!! Somit sind die Katzen Hunde gewöhnt!!

Ok, verstanden!

Leider haben sich die Katzen nicht nur im Innenhof aufgehalten – des Abends waren sie in Wies und Feldern bei uns vor der Tür unterwegs.

Klar: Mäuse!

In den Tagen unseres Aufenthaltes konnten sich die Mäuse ein wenig ausruhen, denn die Katzen waren mit flüchten beschäftigt!

Unsere beiden Damen teilten sich die zu beaufsichtigende Fläche gut ein:

Eine rechts und geradeaus, die andere links und geradeaus!

Eine gibt Zeichen, beide rennen!

Alter pfeift, beim dritten Pfiff zurück und Demut zeigen!! Wollen doch nur unser Revier sauber halten!! Ab und zu auch mal sofort folgen und keine Jagd beginnen, das beruhigt unsere Menschen und wir können draußen bleiben!

Falsch!!! Manchmal ging es Frauchen einfach auf den Wecker und dann ging es ab in die Wohnung! Von wegen ab und zu gleich hören!!

 

Bei einem Abendspaziergang entdeckte ich sehr weit unten, vor einem Hof, frei laufende Hühner. Ich machte Volker drauf aufmerksam, aber der machte nur „Ah“. Sein „Ah“ hing noch in der Luft, da waren unsere Lady`s auch schon auf dem Weg! Das Tal hallte wider vom Echo der Pfiffe und Schreie!

Dann hatte Gypsy ein Huhn direkt vor der Schnauze! Ich überlegte, wie man das einem Bauern erklärt (der im Nebenberuf Jäger ist!!)…Gypsy riss ihr Maul auf…..Volker pfiff noch mal aus Leibeskräften…….ich hab es nicht mehr geglaubt……..Gypsy drehte ab und kam zurück!!!!! Puh!

Huhn lebt – nur Eier wird es so schnell wohl eher nicht mehr legen. Hühner sind doch so sensibel…

Schock überwunden, ans Haus gesetzt, Hunde verdonnert da zu bleiben, Bier eingeschenkt.

An diesem Abend haben unsere Beiden tatsächlich alle Katzen geflissentlich übersehen! Dem Huhn sei Dank!!

Kurz darauf gesellte sich Frau Veronica Rilsl zu uns und wir plauschten über Dinkel, Biogasanlagen, Mikroorganismen und das Leben an und für sich. Unsere Hunde plauschten über die Vor- und Nachteile des Jagens und wie gefährlich hier die Jäger sind.

 

Und dann kam Birgit!! mit ihrem Labramix-Oldie Therapiehund!

Birgit, einst sesshaft in Leinfelden, seit 19 Jahren im bayrischen Wald, Besitzerin eines Hofes und 9 Therapiepferden, freute sich riesig über unser Dasein. Endlich mal wieder schwäbisch! (Dabei sprechen wir doch gar nicht so schwäbisch, oder?)

Nach einer Stunde Geplauder und Aufzählung ihrer Tiere, zu denen, außer Oldie noch ein Hund gehört (Aber der ist völlig gaga!), ein wunderschöner Hahn, unzählige Katzen und natürlich ihre 9 Therapiepferde, stand fest: Ihr müsst mich besuchen!!

Na ja !?! Mit unseren Hunden? Klar, warum nicht?

Meine Familie fand die Idee, schon allein wegen der Pferde, super.

Also, nix wie hin!

Birgit`s Hof liegt völlig verlassen mitten in der Pampa, aber immerhin, an einer, dort üblichen Straßen.

Volker parkte vor der Absperrung, Hunde raus, Absperrung auf und rein!!!

Volker, da gibt`s Hunde! Kaum ausgesprochen kam Oldie schon mit wuff wuff an. Na schön, der ist ja sanftmütig, aber trotzdem!

Mit Bärle an der Leine stapfte ich wieder raus. Ohne Birgit geh ich hier nicht mit unseren Hunden in das Revier von anderen Hunden!

Birgit kam und meinte, wir sollten doch unsere Hunde von der Leine machen. Das ist doch alles kein Problem!

Nein, für die Hunde im Moment vielleicht nicht, aber der wunderschöne Hahn, der gerade vorbei spaziert, könnte durchaus ein Problem kriegen – oder auch die vielen Katzen, die so relaxed hier rum liegen und denen Bärle schon mal ihr schönstes Lächeln zeigt! Bärle bleibt an der Leine, Punkt ! Schließlich rannten ja auch noch 13 ADHS Kinder rum und wo ist der andere Hund?

Birgit führte uns ums Haus herum wo das „Leben tobte“.

Marcel setzte sich auf die Bierbank direkt am Haus und ich stellte mich mit Bärle neben ihn. Gypsy musste gaaaaaaaanz lieb an einer Katze schnüffeln, die ihr daraufhin gaaaaaaaanz zackig eine knallte!

Zwischenzeitlich hatte Birgit ein Tablett mit vollen Kaffeetassen neben Marcel auf die Bank gestellt. Bedient Euch!

Man kann es sicher kaum glauben, aber bei mir stellte sich eine gewisse Entspannung ein!! Vor uns riesen Wiesen auf denen die Pferde rum sprangen, die Kinder hielten Abstand und Bärle war, zwecks völliger Überforderung, ruhig!

Auch ca.10 m vor uns, in einer Koppel, stand ein Pferd und schaute uns interessiert an. Mine meinte gerade noch Was für ein schönes Pferd!, da kam dieser Gaul in Windeseile direkt auf uns zu gerannt und drückte seine Breitseite an uns dran!!!! Hallllooooooo!!

Marcel brüllte meine Füße und der Kaffee im 2 Sekunden Takt. Ich schnappte Bärle und beförderte sie unter die Bank. Marcel: Meine Füße!!

Ich: Tu sie doch hoch!! Er: Der Kaffee!!  Ich: Man, ich hab selber genug zu tun! Ich habe auch Füße!! Und der Kaffee ist mir wurscht!

Da kam endlich Birgit wieder um die Ecke und schuckte das sehr aufdringliche Pferd einfach weg! Klar, so macht man das, wenn man nicht so total überfordert ist wie ich! Sind doch Therapiepferde, die sind nicht aggressiv! Logisch!

Aber warum dann dieser „Angriff“? Weil das liebe Pferd eine Allergie hat!! Den juckt es am ganzen Körper, der wollte sich nur kratzen an uns!!

Also, wenn wir das gewusst hätten, dann wäre das ja gar kein Problem gewesen! Wir helfen doch gerne und das bisschen Fußschmerz hinter her……

Nun kannst du Bärle endlich von der Leine machen, dann holen wir den anderen Hund auch endlich raus, ok? Der muß mal zur Ordnung gerufen werden, da ist es ganz gut, wenn sie ihn anblafft.

Zack war die Leine ab!

Gaga-Hund kam, Bärle zischt ihn an, Birgit war zufrieden, Gaga-Hund ging. Ok, das ging ja gut! Tief einatmen und wieder ausatmen!

Was mag jetzt noch kommen?      Platzregen!! Alle ab in die Küche!!

Alle, das waren 8 Menschen, 4 Hunde und diverse Katzen.

Küche – 10m² groß!! Menschen am Tisch, Hunde unter dem Tisch, Katzen auf Menschen und Bank – klatschnasse Kinder rein und wieder raus!

Also, wie gehabt, sehr entspannt!

Selbst wenn die Katzen sehr nahe vorbei gingen( in Anbetracht der Küchengröße ging es ja nicht anders), verhielten sich die Hunde (also unsere) noch ruhig. Doch als dann Eine mir zwischen den Beinen durch Bärle in den Rücken springen wollte, war sie, danke meiner Einer, ziemlich zackig auf Mines Schoß.  Beide guckten mich entsetzt an! Ja, hätte denn jetzt auch noch der Tisch fliegen sollen? Und vor allem, wohin? Bei so einer Aktion wäre bei Bärle der Spaß nun wirklich vorbei gewesen, und Gypsy, auch nicht total relaxed, wartete ja schon auf eine Reaktion von Bärle. Da wäre den Beiden die ganze Erziehung völlig egal gewesen!

 

Da ganz klar war Bei dem Regen bleibt ihr hier!, dankte ich Gott dafür, als es endlich aufhörte!

Was man alles in ein paar Stunden erleben kann…….

Die Katzentherapie hielt bei Bärle und Gypsy genau bis zu unserem Ferien-Hof an, dort bekam die erste Katze den ganzen Frust ab!

Keine Angst, sie lebt noch!!

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Vögel

 

Eines Abends kam Volker vom Geschäft, und erzählte mir, er habe eben am Spielplatz eine junge Elster gesehen. Wahrscheinlich aus dem Nest gefallen. Die kann man doch nicht da sitzen lassen! Bei all den Katzen!

 

Das sah auch mein Gatte ein. Schnell schnappten wir einen Karton und rannten los. Da saß die Kleine und krächzte vor sich hin.

Wir packten klein Elster ein und gingen heim. Volker ging schnell Futter kaufen und ich holte den alten Vogelkäfig hoch und richtete ihn für Jakob, wie wir ihn tauften, her. Das musste für`s Erste reichen.

Als Volker mit dem Futter wieder kam, verging mir kurz die Lust eine Elster aufzuziehen. Maden und Würmer! Und die sollten dann auch noch in meinen Kühlschrank!! Geht`s noch???

Die bewegen sich doch nicht, wenn die kalt sind. Außerdem sind sie in der Büchse! Sprachs und stellte seine Beute rein in den Kühlschrank!

Da klein Jakob wirklich noch klein war, musste er noch gestopft werden, und zwar alle 2 Stunden. Schön tief rein in den Schnabel mit den Maden! Nachdem ich das zwei Tage gemacht hatte, hatte ich mich nicht nur an Jakob sondern auch an sein Futter gewöhnt. Es gibt schließlich schlimmeres.

Jakob als alles fressender Wildvogel sollte auf dem Balkon leben. Nicht nur weil er stank, sondern auch, das er nicht ganz den Bezug zur Freiheit verlor. Der Vogelkäfig war für ihn sowieso zu klein, also baute Volker eigens für ihn auf unser Balkongeländer passend einen  größeren Käfig, bei dem man die ganze vordere Seite aufklappen konnte. Wir wollten ihn ja nicht einsperren. Tagsüber ließen wir den Käfig offen und er hüpfte auf dem Balkongeländer oder auf dem Boden rum. Und er wollte hinter uns her, wenn wir ins Wohnzimmer gingen. Das war aber strengstens verboten!!

Jedes mal, wenn wir ihn rausschmissen, kreischte er wütend vor sich hin beim raus laufen, schnappte den Vorhang und zerrte ihn mit raus.

Trotz des strikten Verbotes ließ Jakob keine Gelegenheit aus in die  Wohnung zu gelangen.

Sein Trick um festzustellen, ob jemand im Wohnzimmer war: er schnappte sich die Gardine und zerrte sie mit raus. Schimpfte jemand, ließ er sie kreischend wieder los, blieb es ruhig, war die Luft rein und er latschte rein. In der Wohnung verhielt er sich mucks mäuschenstill. Nur ja nicht auffallen!

Die ersten Male, wenn ich auf den Balkon kam und Jakob weg war, fielen alle Familienmitglieder und Nachbarn in hektische Suchaktionen. Schließlich konnte der gute Jakob bis dahin ja noch nicht fliegen.

Wir rannten in der Wohnung „Jakob“ rufend rum und die Nachbarn suchten sämtliche Hecken nach ihm ab.

Normaler Weise antwortete Jakob, wenn man ihn rief. Normalerweise, nämlich dann, wenn sein Gewissen rein war, nicht aber, wenn er in der Wohnung saß.

Das erste Mal brachen wir nach einer Stunde vergeblichen Suchens ab. Schade, aber der war weg!

Traurig setzte ich mich auf`s Sofa und schaute auf mein Bücherregal gegenüber…… Da saß Jakob!! Geduckt neben einem Buch und beobachtete mich. Er merkte sofort, dass ich ihn entdeckt hatte und fing fröhlich an zu krächzen! Wer konnte da noch böse sein?!

Das nächste Mal kamen wir aus dem Garten etwas später nach Hause. Da wir ja den Käfig tagsüber immer offen hatten, ging ich als erstes zu meinem „Ziehkind“ um es für die Nacht zu richten. Weg war er! Und es war schon dunkel! Oh, nein! Wir bewaffneten uns mit Taschenlampen und fingen wieder „Jakob“ rufend die Hecken an abzusuchen. Nach und nach kamen immer mehr Nachbarn mit Taschenlampen raus und halfen mit. Wieder einmal hatte Jakob für einen Nachbarschaftauflauf gesorgt! Nach ewigem vergeblichen Suchens gaben wir auf. Ich stand auf dem Balkon und leuchtete noch mal  meine Blumentröge ab. Und wer saß, total zusammen gekauert und lauernd in meinen Blumen?

Ich gab schnell Entwarnung und alle freuten sich.

                                   

 

Für die Zusammenführung von Nachbarn ist so ein Vogel wirklich hilfreich!

Nach und nach lernte Jakob seine Flügel zu benutzen. Erst war es mehr ein Hüpfen mit Flügelschlag, das ihn immerhin in die Tanne neben dem Balkon brachte. Dort nisteten allerdings zu der Zeit Amseln, die über seine Besuche nicht sehr erfreut waren. Man konnte es nicht überhören, wenn Jakob mal wieder im Baum gelandet war! Erst schrieen die Amseln mordio, dann kreischte Jakob los. Die Amseln wollten ihn vertreiben und griffen ihn an. Schnell rannte ich dann immer los und griff den total verdatterten Jakob vom Baum ab.

Ein Flügelschlag mehr brachte ihn dann auf die oberen Balkone.

Das verbesserte wieder die Nachbarschaftsverbindung, denn dann wurde ich geholt um Jakob wieder runter zu bringen.

Nun hatte Jakob genug Zeitvertreib, einerseits versuchte er immer noch in die Wohnung zu gelangen, was ihm auch immer wieder gelang, und andererseits inspizierte er die Balkone der gesamten Nachbarschaft. Als ihm dies auch zu langweilig wurde, fing er etwas Neues an. Elstern stehen tatsächlich auf alles was glitzert, und wo bei uns in der Wohnung so etwas zu finden war, hatte er auch schon rausbekommen. Bei unserer Tochter Nicole! Nicki ließ ihren Schmuck immer auf dem Tisch liegen. Da kam Jakob super hin! Ab jetzt nahm er immer mal wieder was mit um seinen Käfig zu verschönern. Blöd nur, dass wir es immer wieder holten. So ging das nicht! Er musste es in Sicherheit bringen. Ab da verteilte er den ganzen Schmuck auf den Balkonen der Nachbarn! Der alleinstehende  Mann über uns, brachte uns jeden Abend die gesammelten Werke wieder runter. Was sollte er auch mit Ohrringen?

Jakob`s Ausflüge wurden von Tag zu Tag länger und weiter. Zum Schluß flog er morgens los und kam abends zurück. Bei seinen Ausflügen schloß er wohl auch Freundschaft mit seinen Artgenossen und  eines Tages kam er gar nicht mehr zurück.

So traurig wir darüber erst mal waren, die Mission "Elster aufziehen" war gelungen!

 

 

Jenny kommt auf Osterbesuch!!

 

Jenny, das war die Welsh-Terrier Dame von unseren Freunden bei Regensburg.

Gleich alt, bzw. damals noch jung, wie unser Struppi und seine Freundin.

Zumindest sah das mit der Freundschaft Jenny so, deshalb freute sie sich auch jedes Mal, wenn sie zu uns kommen durfte. Das  war immer dann, wenn ihr Menschenrudel nach Amerika flog.

 

Struppi liebte seine Ruhe – Jenny machte Action!                                                                                                                                                                                                  

Struppi liebte seinen nicht quietschenden Ball –

Jenny mochte nur Quietschspielzeug!

Struppi lief stets anständig auf dem Weg – Jenny rannte in den Wiesen rum!

Stuppi machte um jede Pfütze einen Bogen – Jenny sprang in jede Pfütze rein!

Unser Strupp konnte nur den Kopf schütteln und genervt das Weite suchen!

 

Noch dazu fraß Jenny a l l e s!! Und mit alles, meine ich alles!!

Im Garten pflückte sie Tomaten, erntete Gurken ab, zupfte Himbeeren und fraß auch sonst so manches, was sie fand. In der Wohnung………..

 

Marcel, damals 3 Jahre alt, und Jenny verstanden sich dagegen super!

 

Bei Jenny`s erstem Besuch war ich gerade dabei unser Wohnzimmer zu streichen. Bei meinen beiden Chaoten mit vielen Unterbrechungen. Nach einer Solchen wieder zurück am „Arbeitsplatz“ fand ich meinen Farbpinsel nicht mehr. Marcel konnte ihn nicht haben, bei dem war ich gerade gewesen…. Aber wo war denn Jenny? Sie lag, vergnügt meinen Pinsel samt Farbe fressend, im Esszimmer!!! Von Struppi missbilligend beobachtet.

Mahlzeit!!

 

Unsere Freunde flogen meist zu Ostern in den Urlaub,  das heißt, in den Zimmern meiner Kinder standen zu dieser Zeit immer jede Menge Süßigkeiten rum. Marcel freute sich immer diebisch, wenn Jenny aus den Zimmern seiner Schwestern, wenn die in der Schule waren, die Schokolade klaute. Leider fraß sie auch gleich die Verpackung mit! Sicher wollte sie keine Beweise zurück lassen! War halt schon schlau, die Jenny!!

 

Auch gemeinsam waren die Beiden unschlagbar!

 

Unsere große Tochter hatte in ihrem Zimmer ein Aquarium, in dem sie fleißig züchtete und auch gut verkaufte.

Neben diesem Aquarium stand eine Kommode und in dieser eine Schublade mit all ihren Süßigkeiten.

Wie gesagt, ich war am streichen und froh wenn mal kurz Ruhe war und ich nicht, kaum oben auf der Leiter, schon wieder runter musste.

Und plötzlich war es ruhig (?) und ich kam gut voran! Bis mir diese Ruhe komisch vorkam und ich die Beiden suchte – und fand!

Vor Nicki`s Aquarium neben einander sitzend, ein Arm hatte Marcel um Jenny gelegt ( wie Kumpels das so machen), mit der anderen Hand angelte er Süßis aus der Schublade. Diese wurden dann von Beiden begutachtet – für gut befunden, geteilt und verschlungen – für schlecht befunden wurden sie ins Aquarium befördert!

Offensichtlich hatten die Fische eine ganz schlimme Erkältung, denn es waren eine Menge Hustenbonbons drin!!

Leider reichte mir die Zeit, bis zu Nicki`s Erscheinen, nicht mehr um die „Heldentat“ zu beseitigen. Für meine Erklärungen, von wegen „gut gemeint, weil Marcel dachte, die Fische seien krank“ konnte sie leider keinerlei Verständnis aufbringen!?! Stinksauer machte sie sich dran, das Aquarium zu putzten!

Übrigens: Struppi hätte bei so einem Quatsch nie mit gemacht!!! Außerdem wusste er, dass Hunde keine Schokolade fressen dürfen!

 

Dieses „rumgefresse“ von Jenny ging natürlich nicht spurlos an uns vorbei! Oh, nein!!!

Bei einem meiner nächtlichen Klogänge, natürlich im Dunkeln, wer braucht schon Licht, wenn er den Weg kennt(!), trat ich genau vor der Toilettentür in etwas warmes, klitschiges….

Ich öffnete die Klotür, machte Licht an und brüllte ohne Unterlass „Ich ihhhh,ihiii…“, so gut das mit  einem sich zusammen ziehenden  Magen eben geht! Aber, es ging immerhin so gut, dass Volker wach wurde!

Jetzt nur kein Mitleid mit Volker, ich hatte doch das Ausgeschiedene am Fuß! Und ich hatte den Krampfmagen!! Volker hat den weit aus unkrampfigeren Magen! Klar, freut der sich auch nicht über solche geruchsstarken Hinterlassenschaften, aber er kann es weg machen ohne ständig auf`s Klo zu rennen!

Bei mir sieht das Wegputzen in etwa so aus: den Schaden entdecken – würgen, auf`s Klo  rennen und mindestens 5 mal tieeef ein- und wieder ausatmen, dann sollte das Magenzusammenziehen nach gelassen haben. Eine Rolle Zewa mindestens zur Hälfte abrollen, zur Quelle des Elends gehen, drauf schmeißen und wieder würgend ab auf`s Klo, durch tieeeeefes ein- und wieder ausatmen, versuchen das Schlimmste zu verhindern. Nun kommt der fürchterlichste Teil: Aufnahme des Zewas mit dem darunter. Beim ersten Versuch, sofort wieder fallen lassen, auf`s Klo rennen und…..naja, ihr wisst schon! Mit viel Glück schaff ich es schon beim dritten Anlauf!! Bis alles weg geputzt ist……..das dauuuert!

Jasmin meinte nach so einer „Aktion von mir mal, ihr sei jetzt auch hundeelend, ABER NICHT VON DER HINTERLASSENSCHAFT UND AUCH NICHT VON DEREN GERUCH – SONDERN WEGEN DEINER GERÄUSCHE!!!!!!!

So, in dieser Nacht jedenfalls, war unser Flur, und der ist ca. 5m lang, von vorn bis hinten voll gesch…!!!

Ich hätte da nicht nur die restliche Nacht damit verbracht zu putzen – ich hätte Tage gebraucht!! Mein Magen hätte sich nie mehr erholt!!

Volker hatte das ruck zuck weg geputzt und konnte dabei auch noch fluchen!! Unglaublich, oder? Unglaublich war auch, wie ich den ganzen Weg geschafft hatte, ohne wo rein zu tappen! Na ja, bis auf den Letzten, direkt vor der Klotür.

                                  

 

Das nächste Mal, wenn Jenny kommt, wird a l l e s weg geräumt, klar?

Und wieder mal ist Ostern – Jenny kommt!!

 

Nach Amerika fliegen mit Familie bedeutet vorher Streß! Genau in dem befand sich meine Freundin! Wann denn jetzt auch noch den Hund nach Stuttgart fahren?

Kein Problem, fliegt ihr, ich hol Jenny!

So flogen sie ab, Oma wartete mit Jenny auf mich und ich düste mit meinem Chinquechento los!

Navi`s gab es damals noch nicht, deshalb meinte Volker mir noch zehnmal den Weg erklären zu müssen! Als ob ich blöd wär!! Wie oft waren wir denn schon dort?! Das werd ich schon finden!

In Überschallgeschwindigkeit für mein Auto, nach zweieinhalb Stunden, fuhr ich in Regensburg von der Autobahn ab! Na da wird Oma gucken, wenn ich bald schon vor der Tür steh! Also, Ausfahrt raus, dann rechts und wieder links…Super, kenn ich hier! Nun grad aus, und nach irgendeiner Tanke wieder links. Super, da ist die Tanke! Also links!

Dazu muß ich erklären, dass unsere Freunde nicht direkt in Regensburg wohnten, sondern in einem Dorf (so kam es mir an diesem Tag vor), seeeeeehr weit weg von Regensburg! In Kilometern ausgedrückt: 18! So, und dann fuhr ich von Dorf zu Dorf – nur Aufhausen war nicht dabei. Das Schlimme ist, dass die Dörfer alle gleich aussehen und alle gleich verlassen sind! Besonders zur Mittagszeit war keine Menschenseele zu sehen!

Plötzlich sah ich einen Bauern auf seinem Traktor – Vollbremsung, Fenster runter.

Freundlich lächelnd fragte ich, wo es denn nach Aufhausen ginge?

Fremde sehen die hier wohl nicht so oft, denn er schaute mich sehr skeptisch an.

Sehr Dialektbehaftet und wortkarg kam dann doch noch eine Antwort: Am Berg ohm!, sprachs und fuhr los! Toll, und wo ist hier ein Berg? Ich sah Keinen! Große Hilfe! Also weiter suchen und nach Berg gucken. Nach dem ich in dieser Richtung alle Dörfer abgefahren hatte, fand ich irgendwie die „große“ Strasse wieder, von der ich bei der Tanke abgebogen war, fuhr noch ein Stück auf ihr weiter und siehe da: noch ne Tanke auf der linken Seite, nach der man auch rein fahren kann! Die gefiel mir auch auf Anhieb besser wie die Erste, also wieder links! Diesmal war es richtig!

Mit nun mehreren Stunden Verspätung kam ich bei Oma und Jenny an, die froh waren mich zu sehen. Gab Volker Entwarnung, der schon x mal angerufen hatte ( nein, Handy`s hatten wir auch noch nicht!) und schon eine Vermisstenanzeige aufgeben wollte. Tja, meine Orientierung war noch nie berauschend…….aber ich komme immer an mein Ziel! Manchmal früher, öfter auch ein bisschen später – aber das Ergebnis zählt!!

 

Bei diesem Besuch von Jenny waren wir gewappnet! Alle Süßigkeiten waren in Schränken, Farbpinsel und Eimer gab es diesmal nicht, und den Mülleimer hatten wir hinter Schloß und Riegel! So, jetzt muß Jenny ihr Hundefutter reichen!

 

Über`s Wochenende fuhren wir mit Sack und Pack, also mit Kindern und Hunden, nach Weldingsfelden.

5 Häuser – eine Kneipe, in der man super essen kann – Wiesen, Wälder – schön!

Da man in der Kneipe nicht nur gut sondern auch viel zu essen bekam, hatte ich das dringende Bedürfnis noch ein paar Schritte zu gehen. Ich schnappte mir die Hunde und stolperte los.

Struppi fand fremde Umgebung und Dämmerung ( und dann auch noch mit mir)  nicht so toll und klebte an meinem Bein. Der Arme konnte nicht mal pinkeln gehen vor lauter Angst mich zu verlieren! Jenny hingegen fand das neue Umfeld toll! So toll, dass sie sich auf und davon machte, so schnell konnte ich gar nicht gucken. Alles pfeiffen und rufen brachte nichts.

Struppi schüttelte neben mir den Kopf über so viel Leichtsinn!

Zurück konnten wir Beide nun auch nicht mehr, also weiter in der Richtung in der unsere liebe Jenny verschwunden war…

Was wir bis dahin nicht wussten, Jenny war am arbeiten! Ja, sie schuftete schwer, denn plötzlich kreuzte alle paar Minuten ein Reh unseren Weg mit Jenny hinten dran! Im vorbei flitzen schaute sie mich jedes mal auffordernd an, als wollte sie sagen: Schies doch endlich!!!

Sie hatte wohl nicht bemerkt, dass ich keine Waffe dabei hatte!

Nach gefühlten 20 Rehen ( oder war es immer dasselbe?) gab sie es auf. Mit mir konnte man einfach nicht arbeiten!!

 

Am nächsten Tag fuhren wir zu einem Fischweiher, weil meine beiden Männer schauen wollten, ob man da angeln kann. Nach dem Vorfall vom Abend zuvor, wollte ich Jenny an die Leine nehmen, aber Volker meinte, das sei überflüssig!

Jenny rannte durch die Wiesen und Struppi auf dem Weg, es war ja hell und Herrchen war auch dabei, da bewegte auch Struppi sich in der Fremde mal ein kleines Stückchen weg.

Die Wiesen waren hoch und Jenny weg! Volker pfiff und Jenny kam!!!! Oh, mein Gott!! Wenn man sie nicht gesehen hat – gerochen hat man sie!! Mit viel Liebe und Geduld hatte sie sich einbalsamiert – tief rein, in ihr lockiges Fell……..toten Fisch!!

Und der war nicht erst gerade eben gestorben!

Jenny kam – Volker roch, sah, wurde dunkel im Gesicht, schnappte sich „Fischi“ und düste zum Auto. Kofferraum auf, Jenny rein, Deckel zu und zurück.

Gut, wenn man „rot sieht“ schaltet der Kopf manchmal aus. Ich wartete bis mein Gatte seine fast normale Gesichtsfarbe wieder hatte und fragte ihn dann vorsichtig, wer wohl in diesem Auto später wieder fahren könnte? Warum? In dem Moment der Frage, dämmerte es ihm…..

Zack, zurück zum Auto! Aber er machte nicht etwa den Kofferraum auf, nein, er gruschtelte vorne rum (??). Er war wohl fündig geworden, denn er tauchte wieder raus und stolzierte siegessicher zum Kofferraum, machte ihn auf und schüttete etwas auf Jenny drauf (???) Kofferraum wieder zu und zu uns zurück marschiert. Ich befürchtete Schlimmes, schaute ihn fragend an und fiel fast um bei der Antwort: er hatte Jenny eine Parfümprobe drüber geleert!!!

Toter Fisch mit Parfüm!! Einzigartige Mischung! Wer da auf der Heimfahrt nicht k….hat keinen Geruchssinn! Das sah sogar Volker ein, also wieder zurück zum Auto, Jenny angeleint und wieder zu uns marschiert.

Aber, zum Einen muss Bestraffung sein, zum Anderen wollten wir picknicken, was bei dem Duft fast unmöglich erschien, also wurde sie 20m entfernt an einen Baum „gefesselt“.

Der erste Bissen war noch nicht geschluckt, da stand Jenny mit einem lieben Grinsen direkt vor uns! 

 

 

                                                 

 

Nun hatten wir nicht nur einen mega stinkigen Hund sondern auch noch eine komplett zerhackte Leine!

Am Feriendomiziel wurde Jenny kräftig abgeduscht – da hatte Struppi dann doch Mitleid mit ihr!

 

 

Eine Woche später waren wir zu einem Familientreffen geladen. Der Onkel aus Amerika war zu Besuch, trommelte seinen „Stamm“ zusammen und lud zum Essen!

Unser Geruchssinn hatte sich in den letzten fünf Tagen erholen können und es hatte auch keine weiteren Anschläge auf unsere Nasen gegeben. Jenny hatte sich, zu mindest für ihre Verhältnisse, vorbildlich verhalten!

Ich dirndelte die Kinder fein an und Volker und ich machten auch einen auf „schick“.

Es konnte losgehen! Die Hunde mussten natürlich mit, denn wir wussten nicht, wie lange wir unterwegs waren und zum Wohnung neu renovieren hatten wir auch keine Lust. Und wer konnte schon sagen, was Jenny in unserer Abwesenheit so alles einfallen würde!

Alles ab ins Auto! Wer Kinder hat weiß, das so eine Fahrt, mit 3 Kinder, bzw. 3 Geschwistern, auf der Rückbank, schon nach 5 Minuten in Streß ausartet. Worüber man aber auch alles zoffen kann !! Mitten im schönsten Schwesternzoff fing der Jüngste an zu brüllen: Äh, mir wird schlecht! Er hörte auch nicht auf das Versprechen hin auf Wir sind gleich da !

Es stinkt aber sooooooooo!! Oh, jetzt rochen wir es auch! Volker düste zur nächsten Parkmöglichkeit, raste zum Kofferraum und brüllte Was hat sie denn jetzt schon wieder gefressen? Der ganze Kofferraum war verk….! Super! Das Reinemachen gestaltete sich etwas schwierig, so ohne Wasser und in schick! Und „schick“ wollten wir ja auch bleiben.

Der Sprudel für die Kinder musste dran glauben! Was natürlich wieder nicht ohne Gezeder ging, aber bei Volker`s Blick war dann doch schnell Ruhe.

Ein kleines bisschen zu spät und mit Sturmfrisuren, da wir den Rest der Fahrt alle Fenster sperrangel weit offen gehabt hatten, kamen wir dann doch noch an.

Nach kurzer „Duft“-Erholungsphase stellte sich dann auch der Appetit ein.

 

Ein Besuch von Jenny ohne Brechdurchfall gab es eben nicht!                        

Und dann kam Emma - und fort war sie!

 

Schweine fand ich schon lange interessant. Sie sind schlau und in Miniatur sehen sie doch auch lustig aus, oder etwa nicht?

Nachdem wir nun Ziegen und Schafe hatten, überzeugte ich meinen Mann, dass 2 Minischweine auch noch Platz haben.

 

Dank Google war auch schnell ein Züchter ganz in unserer Nähe gefunden, der gerade noch Ferkel abzugeben hatte.

Na, da fahren wir doch mal hin und schauen uns die Ferkel unverbindlich an.

Gesagt - getan!

Mein eher Schweine-in-Schnitzelform-liebender Mann und ich fuhren am nächsten Freitag hin und schauten die noch kleinen und rohen Schnitzelchen an.

"Wenn du meinst....", sprach mein Gatte, „aber ich geh am Sonntag auf den Fußballplatz!"

Samstag wurde aus dem Heuunterstand neben dem Schafstall ein Schweinestall.

" Das Loch da ist aber blöd, da können die doch raus!", meinte ich zu dem Spalt an der Seite zum Schafstall hin.

"Quatsch! Nie und nimmer!" Naaaaajaaaaaa.........

Mit Strohgefülltem großen Karton zogen die Kinder und ich Tags darauf los im die neuen Bewohner zu holen.

Unterwegs unterhielten wir uns über die Namen, die die beiden Ferkel bekommen sollten. Ich wollte auf jeden Fall eine Annabel, weil ich den Namen so schön blöd fand. Jasmin bestand auf Emma. Ok, so soll es sein!

 

Die beiden Ferkel waren schon aus dem Freigelände eingefangen und in einem Stall untergebracht.

Auch hier mussten sie wieder eingefangen werden um in den Karton verfrachtet zu werden.

Meine Tochter half mit. Und tatsächlich fing sie Eine.

 Das ist nämlich gar nicht so einfach. Die Ferkel sind verdammt schnell und wendig, aber das sollten wir ja bald noch zur Genüge kennenlernen.

 

Stolz hielt Jasmin die Sau fest und gab ihr den Namen "Emma", bevor sie sie in den Karton hob. Auch Annabel wurde geschnappt und zu Emma gepackt. In Windeseile machten wir den Karton zu.

Jesses machten die Beiden ein Theater! Ob das der Karton wohl aushielt??

Auf dem Weg zum Auto teilte uns der Züchter mit, dass Schweine Autofahren nicht so vertragen und wir uns nicht wundern sollten, wenn sie spucken würden.

Oh, schön!! Da kommt doch Freude auf!

Und auf der Fahrt kam erst Freude auf!

Gott, stank das!

Heilfroh wieder zu Hause zu sein und das Auto verlassen zu dürfen, trugen wir Karton samt Inhalt in das neue Zuhause der Ferkel.

Im Gehege machten wir den Karton auf und ließen die Beiden raus.

 

Die Schafe standen am Gehege und stierten die Neuankömmlinge an.

Was ist das denn?

Schweinchen Emma und Schweinchen Annabel standen wie erstarrt da. Aber leider nicht lange....

Kurz hatten wir noch Zeit um zu klären, welche der Beiden Emma und welche Annabel war.

Jasmin zeigte mir ihre Emma. Eindeutig zu erkennen, weil sie nur ein weißes Füßchen hat, wohingegen Annabel alle Füße weiß hat.

Ich war gerade dabei mir das genau anzusehen, als ein Mördergeschrei losging, weil Emma an den Elektrozaun gekommen war.

Jedes vernünftige Tier geht dann rückwärts wieder weg.

Nicht Emma! Emma schrie wie am Spieß und ging durch!

Annabel schaute erst verzweifelt hinter Emma her und entschied sich dann blitzschnell, egal was es kostet, zu Emma zu rennen.

Nun waren sie "Freiwild" für unsere Hunde. Mist!!

Totales Chaos brach aus!

Einer musste Gypsy (weißer Schäferhund) halten, denn die biss auch gerne mal zu, damit der Flüchtling nicht mehr abhauen kann. (So geschehen bei unserem Hasen.)

Die wurde eingefangen und Marcels Freundin Alisa in die Hand gedrückt.

Nur blieb unsere liebe Gypsy nicht einfach lieb sitzen, nein sie tobte an der Leine weiter. Schließlich wusste sie ja, wer sie festhielt.

Alisa kämpfte tapfer!

Bärle (Mix) hingegen hilft immer richtig gut beim einfangen flüchtiger Tiere.

Sie treibt sie in Ecken, stellt sie und gibt laut, beißt aber nicht zu.

Wir dirigierten Bärle, sodass die Ferkel, wie wir glaubten, in der Falle waren. Jetzt ganz ruhig - und zack - Sau Nr. 1 hatten wir!

Ab in den Stall und Türe zu.

Nun zu Ferkel Nr. 2.

Diese Sau haute uns doch tatsächlich durch einen Spalt ab, von dem man nicht glauben kann, dass da so ein Ferkel durchpasst!

Ab in Nachbars Garten!

Leider ist dieser Garten kein Garten! Er gleicht eher einem  Urwald!

Eigentlich nur mit Machete zu durchqueren, aber so ein kleines Schweinchen kommt schon durchs Unterholz.

Wir schlugen uns durch das Dornengebüsch und mussten schnell feststellen, dass wir sie wohl eher nicht finden würden.

Also: Bärle musste her!

Kaum war Bärle da, hatte sie die Sau auch schon entdeckt.

Leider blieb die Sau nicht brav bei Bärle sitzen bis wir  angekämpft kamen. Bärle stellte sie erneut  mitten in einem großen Dickicht aus Brombeeren.

Jasmin und ich diskutierten noch, wie wir wohl da reinkämen, als es Ferkelchen zu blöd wurde.

Wütend ging sie auf Bärle los und schnappte nach ihr.

So ging das nicht! Ich befahl Bärle sofort aus dem Gestrüpp raus zu kommen, bevor das wildgewordene Ferkel ihr noch einen ernsthaften Schaden zufügen konnte.

Das mussten wir ohne Hund schaffen.

Ich rief Volker auf dem Fußballplatz an und teilte ihm mit, dass wir Hilfe brauchen könnten.

Er kam- Begeisterung sieht anders aus- und brachte einen riesen Käscher mit.

Wir walzten durch den Urwald- so viele "Wege" hatte dieser noch nie- und fanden das Schweinchen nicht mehr!

 

Zwischendurch teilte mir Jasmin völlig bedrückt mit, dass das bestimmt Emma sei. "Warum hab ich immer die Tiere die verschwinden?"

Uns waren vor ein paar Jahren mal 2 Schildkröten aus dem völlig ausbruchsicheren ( Volker!) Gehege im Garten abgehauen.

Marcels hatten wir wieder gefunden, Jasmins war für immer verschwunden.

"Schön blöd!" Kurz musste ich lächeln, aber nur kurz, denn da zischt mir ein Brombeerzweig ins Gesicht. Mann!!

Unsere große Tochter war auch herbeigeeilt zum Schweinefang, während sich unser Sohn bei so viel Stachelei verabschiedet hatte.

"Ich wollte die blöden Schweine ja nicht!" sprachs und verschwand.

 

Es ist schon bei Tag schwer so ein kleines schwarzes Ferkel im Unterholz zu sehen, aber bei eintretender Dunkelheit? Fast unmöglich.

 

Wir mussten abbrechen, gingen heim und befreiten uns von den Dornen.

An der Stirn, am Rücken, am Oberschenkel und und und...

Gott sei Dank gibt es Handys. Per SMS informierte ich alle Hundebesitzer der Gegend, deren Nummer ich hatte, von unserem Flüchtling. Der Rest der Hundler wurde wieder von den mir Bekannten informiert. Neuzeitliche Buschtrommel nennt sich das.

Und die Polizei musste informiert werden.

Mehr konnten wir im Moment nicht tun.

Was ein traumhafter Einzug unserer neuen Gartenfamilienmitglieder!

Am nächsten Morgen klingelte mein Handy. Eine Hundebesitzerin teilte mir mit,  dass der Hund einer Anderen vorne am Gebüsch der Gärtnerei komisch gewesen war. Ob da vielleicht unsere Sau drin saß?

Während ich in den Garten hoch rannte um noch schnell den Käscher zu holen, rannte Jasmin schon nach vorn zur Gärtnerei.

Oben angekommen schaute ich doch noch schnell ums Eck zu den Gehegen hin - und was sah ich da?!?

Ein Ferkel, das gemütlich den Weg im Gehege lang lief!

Schnell pfiff ich Jasmin zurück.

Man konnte es kaum glauben, aber wir fingen, die gestern noch sehr wehrhafte Sau relativ schnell ein.

Wahrscheinlich war sie platt von ihrem Ausflug.

Vor lauter schnell, schnell, hatten wir Beide sie nicht genau angesehen bevor wir sie hinter Schloss und Riegel steckten.

Jasmin meinte noch, wir sollten doch lieber mal nachschauen, ob jetzt wirklich beide Ferkel eingesperrt seien.

"So schnell mach ich den Stall nicht mehr auf! Außerdem haben wir Annabel gestern da eingesperrt! Die ist da auch noch drin!"

Jedenfalls waren wir heil froh und gaben bei der Polizei Entwarnung.

Das war ja nochmal gutgegangen! Haha...

 

Mittags war ich mit den Hunden Richtung Kornwestheim unterwegs, als mein Handy wieder klingelte.

Nicole, eine weitere Hundebekannte, war dran.

"Ich steh gerade hinten in eurer Straße vor deiner Sau!"

"Das kann nicht sein!!!! Die ist eingefangen und eingesperrt!"

"Glaub mir, ich weiß wie eine Sau aussieht! Und so viele Schweine werden hier ja nicht rumrennen!"

Ok, ok!  Wenn Jemand wusste, wie eine Sau aussieht dann Nicole!

 

Da ich eine ganze Ecke weg war alarmierte ich meine Tochter Jasmin, die wiederum ihre Schwester zu Hilfe holte.

Zwanzig Minuten später war auch ich am Ort des Geschehens, noch schnell den Käscher im Garten einsackend.

Unsere Straße endet hinten in einem Hang, der zur Schnellstraße raufführt. Teils mit dichtem Gestrüpp bewachsen und teils aalglatt und sehr steil. Oben ist allerdings eine Schallschutzmauer. In unserem Fall: Gott sei Dank!

Wir kletterten hoch und wieder runter, durchs Gestrüpp und rutschend ins nächste Gebüsch rein.

Die Sau war da und wieder weg!

Wenn man oben war, rief bestimmt jemand von unten "Hier ist sie!"

Unten angekommen, trabte die Gutste wieder nach oben zur Mauer.

Ich war auf der Suche nach ihr den Gebüschgürtel ganz oben entlang bis zur nächsten Straße geturnt.

 Zwei Arbeiter machten gerade eine Raucherpause an ihr Fahrzeug gelehnt, als ich aus dem Gebüsch auftauchte.

"Suchen sie etwa eine Sau? Die ist nämlich vorher hier lang gelaufen." Das kam so selbstverständlich, als wenn er von ner Katze gesprochen hätte. Klar, hier laufen ja ständig Schweine rum!

 

Nach drei Stunden gaben meine Töchter auf - "Die kriegen wir doch eh nicht!"

Dafür kam mein Mann.

Seit gut einer halben Stunde hatten wir Ferkelchen nicht mehr gesehen. Ich stöberte eben im Gebüsch herum, als ein schriller Pfiff von Volker mich wieder runter rutschrasen ließ.

"Da - im Garten!" Super!

Ab in den Dreck und unter dem Zaun durch gekrochen.

"Jag sie in die Ecke da, dann schnapp ich sie mit dem Käscher!", sprach mein Mann vom Weg aus.

Keine Ahnung wie das gehen soll, aber bitte......

Schweinchen spielte brav mit und ging auf die besagte Ecke zu - wusch raste sie an mir vorbei durch den Zaun (gleiche Stelle wie ich) und ab den Berg wieder rauf.

Mutter wieder in den Dreck, unterm Zaun durch (nicht so schnell wie Emma) und ebenfalls den Berg hoch. Schrei von unten "Hier ist sie!"

OK!!! Also wieder runter! "Wo?" " Da, sie läuft über den Acker."

Ich hinterher, mit jedem Schritt wachsend- es war ja so ein wunderschöner und so gar nicht verregneter Tag.

Da hörte ich meinen lieben Mann, der auf dem asphaltierten Weg stand, brüllen: "Du musst schneller laufen!"

Leider hatte ich keine Luft mehr um zu antworten, nach nun drei Stunden rennen. Kurz überlegte ich mir, meinem Drang nach zu gehen und mich einfach hinzuschmeißen und mal eine Weile nicht mehr aufzustehen.

Tapfer trabte ich weiter, aber wenn ich wieder Luft hätte....

Nach dem Acker lief das freche Schwein arschwackelnd den Feldweg vor mir her.

Wurde ich schneller, wurde auch sie schneller.

Hat die Sensoren hinten dran??

Dann durchquerten wir eine Wiese, gingen um ein paar Gärten rum, wieder über eine Wiese und endeten wieder mal in einem Gebüschgürtel.

"Man, wie viele Gebüschgürtel wir hier haben! Das gehört doch verboten!" schimpfte ich mit der letzten Luft, die ich noch hatte, mit dem Gestrüpp kämpfend.

"Das ist gut für die Tierwelt", hörte ich Volker von außen sagen.

Grrrrrrrrrrrr!!!

Es geht doch nichts über einen so mitfühlenden Mann, der immer die richtigen Worte zur richtigen Zeit findet!

Dieser Gebüschgürtel hatte das Ferkel verschluckt. Wir brachen die Suche  wieder ab.

Mittlerweile war uns klar: die gesuchte Sau war Emma, Annabel war also mehrfach aus dem Stall ausgebrochen!

 

 

Am nächsten Tag teilte mir eine weitere Hundebekannte per Handy mit, dass die Sau an der Ludwigsburger Straße, auf der  Friedhof Seite, mit einem Herrn mitspazierte.

Erst hätte sie gedacht, es sei ein Hund, aber der Mann hätte so irritiert geguckt, deshalb habe sie noch mal genauer hingeschaut und festgestellt: eine Sau!

Wieder rief ich meine Töchter zu Hilfe, konnte aber nicht kommen, da ich zu weit weg war.

An diesem Tag versuchten es meine Töchter und eine Freundin Emma  zu fassen. Doch auch da: war sie da - war sie auch schon wieder weg.

 

Der nächste Tag war ruhig. Schweinchen blieb verschwunden.

 

 

Aber dann tauchte sie wieder auf! Und zwar regelmäßig, einmal am Morgen zwischen 8 und 9 Uhr und am Nachmittag gegen 15 Uhr.

Immer am selben Ort und jedes Mal bekam ich nun einen Anruf von der Polizei.

Emma hatte ihre "Heimat" gefunden und zwar im Gewann "Sauhalde" zwischen Schnell- und Bundesstrasse. Eine Sau in der Sauhalde! Ha, was für ein Witz! Das nennt man dann wohl Ironie des Schicksals!

Zu oben genannten Zeiten kam Emma an der Kreuzung aus dem Unterholz raus um an dem Grasstreifen zu grasen.

Am ersten Morgen fiel ein Fahrradfahrer schier vom Rad, als er sie sah. Wer rechnet auch damit an so einer Kreuzung auf eine Sau zu treffen?

Da heutzutage Jeder im Besitz eines Handys ist , liefen zu besagten Zeiten die Leitungen bei der Polizei heiß.

Jedes Mal rannte ich, mit großem Käscher bewaffnet, das Gebüsch an der Bundesstraße ab.

Ehrlich gesagt, rechnete ich damit, dass ein Wagen neben mir halten würde und mir die Insassen so einen merkwürdigen Kittel anziehen würden. Aber außer, dass mir ein paar komische Blicke zugeworfen wurden, passierte nichts.

Samstag früh das gleiche Spiel: "Ihre Sau ist gesehen worden!" Wieder rannte ich los. An der Sauhalde angekommen sah ich drei Polizeiautos. Oh weh!

Naja, bis jetzt waren ja alle sehr nett gewesen und waren eher belustigt als verärgert.

Ein Beamter stand mit mir am Straßenrand und wir blickten gemeinsam ratlos in das Gestrüpp. Da meinte er plötzlich: "Ich würde am liebsten eine Hundertschaft anfordern, alle Straßen sperren und die Sau von oben (Schnellstraße) nach unten (Bundesstraße) treiben!"

Vorsichtig sah ich ihn an. Der meinte das ernst!

"Dann kann ich meine Sau vergolden lassen, oder?"

Schulterzucken!

"Halt mal den Käscher", sagte ich zu meiner Tochter, die neben mir aufgetaucht war, und warf mich ins Gestrüpp.

Hundertschaft! Das krieg ich allein hin! Und die treib ich nicht auf die Straße sondern auf den Platz vor dem Gestrüpp!

Hundertschaft!!

Mit diesem Plan kämpfte ich mich von unten nach oben und wieder zurück - und wieder hoch und wieder runter - und wieder hoch und....

ich saß fest! Das gibt´s doch nicht!

Ich kam nicht mehr vorwärts, aber leider auch nicht mehr zurück.

Blöd, aber nach unten gab`s auch kein Durchkommen.

Was blieb, war der Weg weiter nach oben. Ging schlecht, aber ging.

Und da stand ich dann, am Samstag früh bei echtem "Sauwetter" an der Schnellstraße!

Nun werd ich doch noch eingefangen!

Ich stellte mich direkt ans Gebüsch um nicht so gesehen zu werden, rief meine Tochter an und fragte, ob sie mich wohl mit dem Auto an der Schnellstraße einsammeln könnte.

Jasmin lachte mich zwar erstmal aus, aber sie kam.

Zu diesem Zeitpunkt sah ich Emma vor meinem geistigen Auge auf dem Grill!! Genug ist genug!

Wieder zu Hause, kam uns die Idee, die Hundebox auf den Grasstreifen, gefüllt mit gekochten Kartoffeln, zu stellen.

Vielleicht ging sie ja rein, nur musste ja Jemand das Türchen hinter ihr zu machen. War ja schließlich keine Falle.

Also zog ich mich warm an, nahm Decke und Zeitung mit und natürlich die Hundebox, und legte mich an einem typischen Novembertag auf den Rasenstreifen an der Kreuzung.

Für viele Autofahrer ein nicht gerade gewöhnlicher Anblick. Vor lauter rätseln, was die Frau da wohl macht, verpassten fast alle die Grünphasen der Ampel. Blöd!

Nach fast zwei Stunden war ich so durchgefroren, dass ich das Unternehmen "Emma fangen" wieder einmal unverrichteter Dinge abbrach.

Die Türklinke noch in der Hand, rief die Polizei schon wieder an "Emma gesichtet".

Diesmal ging Volker. An der Sauhalde wieder drei Polizeiautos.

Volker ging zu den Beamten hin und sagte: "Schießt sie ab, bevor noch was passiert. Wir kriegen sie nicht."

"Gut", meinte ein Beamter, ging zum Kofferraum und holte ein Gewehr raus.

"Du weißt schon, dass das ein Minischwein ist und kein Elefant?", fragte sein Kollege.

"Klar, aber trifft man die auch gleich?", war die Erklärung für die doch recht große Schusswaffe.

Problem war nur mal wieder: Emma war schon wieder verschwunden!

 

Auch unser Frühstück am Sonntag wurde von Emma unterbrochen.

Die Sonntagsbeamten wollten aber von erschiessen nichts wissen, nein die muss man fangen.

Und wieder einmal standen 6 Beamte und wir gedankenverloren am Straßenrand und starrten ins Gebüsch, in dem Emma schon längst wieder verschwunden war.

Blöd war ja auch, dass man von dem kleinen schwarzen Ferkel im schwarzen Unterholz mit viel Glück ja nur die weiße Ohrmarke sah.

Für was Ohrmarken doch alles gut sind! Außerdem kam man an Emma in Person nicht mehr so nah ran, dass man sie hätte schnappen können. Im Auto sitzend konnte man direkt neben ihr halten. Volker hatte das mit Marcel ausprobiert.

Emma war gerade mal wieder ein bisschen am grasen gewesen, als die Beiden vorbei fuhren. Volker drehte um, fuhr auf den Fußweg neben Emma hin - sie graste ungerührt weiter,- Fenster runter -

störte sie nicht,- Hände klatschen - völlig egal, dann öffnete Marcel seine Tür - auch noch wurscht, ein Bein raus - sie wurde aufmerksam,

zweites Bein raus - weg war sie!

Der Sonntag verging und Emma lebte weiter im Gewann Sauhalde.

 

Montagvormittag. Anruf Polizeirevier Stuttgart-Zuffenhausen.

"Heute wird Emma eingefangen!" Ahja!

"Die Veterinärin der Stadt Stuttgart hat sich ein Narkosemittel von der Wilhelma geholt und wird mittels Blasrohr Emma betäuben. Die Kreuzung wird solange gesperrt. Kommen sie um 15 Uhr 30 zur Sauhalde."

Ich versuchte den Beamten zu erklären, dass so ein Großeinsatz sicher nicht den gewünschten Erfolg bringen würde. Zu viele Menschen!

Zudem hatte Emma ja keine Uhr. Woher sollte sie wissen, wann sie aus dem Gebüsch kommen musste?

Meine Einwände prallten ab. "15Uhr 30 an der Sauhalde!"

 

Um 15 Uhr packte ich meine Hundebox (falls es doch klappen sollte) und dackelte mal wieder zur Sauhalde.

Schock!!

Auf dem Platz an der Sauhalde waren seeeeeeehr viele Menschen!

Viele in Uniform, aber auch viele ohne Diese.

Das konnten doch nicht alles Veterinäre sein, oder?

Die erste Dame kam auf mich zu und stellte sich vor: "Stuttgarter Nachrichten, mein Name ist ..." Oh!

Der nächste Herr kam "Bild Zeitung, mein Name ist..."

"Oh Gott!", entfuhr es mir. "Haben sie ein Problem mit der Bild Zeitung?" "Naja", antwortete ich vage. Darauf versuchte er mich mit den Worten "Keine Sorge, das ist doch eine nette Geschichte. Da hauen wir nicht drauf." zu beruhigen. Aha!

                           

 

Dann ging es los! Die Beamten sperrten mitten im größten Berufsverkehr die gesamte Kreuzung.

Na, wenn wir uns da keine Freunde machen..!

 

Die Veterinärin, die wir übrigens vom Hundeplatz kannten, machte sich mit Blasrohr bewaffnet auf den Weg zu der Stelle an der sich Emma immer wieder gezeigt hatte.

Warten.....

Plötzlich raste der Bildreporter, im Anhang seinen Fotografen, "Da ist sie" brüllend los.

Die Beamten, die auf der Straße standen, hatten gerade so viel Zeit Emma, die zwischen ihren Beinen durchrannte, zu erkennen.

Zack- war sie wieder weg! Zurück blieben verblüffte Gesichter!

                  

 

Ferkelchen hatte nun festgestellt, dass da draußen ziemlich viel los war und blieb lieber in ihrem Unterholz.

Das war`s für heute. Der Verkehr konnte wieder rollen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Flüche auf uns ausgesprochen wurden.

Entschuldigung! Entschuldigung! Entschuldigung!

 

Heike, die Veterinärin, kam auf mich zu. "So geht das nicht! Ich mach dir einen Vorschlag: morgen früh, nur du und ich im Auto. Streu vorher richtig fettige Pommes aus und dann fahren wir auf den Bürgersteig an das Gebüsch hin und warten."

"Genau so machen wir`s. Danke!"

Am nächsten Morgen fuhr ich hoch und legte die triefenden Pommes aus. Um halb neun stieg Heike zu mir ins Auto und machte ihre "Waffe" scharf.

Wir fuhren direkt neben das Gebüsch, Heike machte ihr Fenster auf und hielt das Blasrohr bereit.

Als Heike ihre Hände bereits nicht mehr spürte vor Kälte kam klein Emma angewackelt. Sich an nichts störend stöberte sie im Gras rum.

Wir fuhren einen Meter vor, damit das Schussfeld freier war - sie lief in die andere Richtung, also wieder einen halben Meter zurück. So ging das ein paarmal, aber dann - zisch - die Spritze saß!

Emma rannte los in ihr geliebtes Unterholz.

Darauf waren wir aber vorbereitet gewesen - Bärle wartete im Kofferraum auf ihren "Spürhunde- Einsatz".

Ein letztes Mal, so hoffte ich, stürzte ich hinter Bärle ins Gestrüpp Emmas Spur folgend. Heike suchte an der Straße das Gebüsch ab.

Gerade wollte ich Bärle erklären, dass ich da nun wirklich nicht durch kommen würde, als Heikes "Ich hab sie!"- Ruf  mich stoppte.

So schnell ich konnte bahnte ich mir den Weg zurück.

Am Auto angekommen, sah ich Heike, die sich mit aller Kraft gegen die Hundebox drückte.

"Schnell, die Sau ist dahinter!"

Von wegen Narkose! Emma war mehr als fit und kampfbereit! Nichts zu merken von wegen k.o.

Mit vereinten Kräften packten wir sie in die Box. Tür zu! Decke drüber!

Puh!!!

Acht Tage Schweinejagd waren vorbei!

Wir ließen Emma den ganzen Tag und die folgende Nacht in der Box damit sie zur Ruhe kommen und die Narkose ausschlafen konnte.

Heike meinte, dann könne ich sie ohne Bedenken in den Stall zu ihrer Schwester tun. "Sie wird froh sein, wenn sie sich verstecken kann und ihre Ruhe hat."

 

Zwischenzeitlich hatten wir aus dem Gehege einen Hochsicherheitstrakt gemacht und auch die Lücke im Stall komplett verrammelt. Das sollte nun wirklich ausbruchsicher sein.

 

Trotzdem war ich nervös, als ich Emma die Gittertüre der Box öffnete. Wer weiß, was der alles einfiel?! Vielleicht hatte sie ja fliegen gelernt?

Emma kam schimpfend aus der Box und untersuchte wutschnaubend jede Ecke des Stalls. Annabel sah ihr ruhig dabei zu.

Fertig mit der Inspektion des Stalls, wand sich Emma ihrer Schwester zu. Schaute sie grunzend an und… ging auf sie los!

Emma verprügelte Annabel nach allen Regeln der Kunst!

Verzweifelt rief ich Heike an. "Von wegen Emma versteckt sich im Stall! Die verprügelt ihre Schwester. Was soll ich tun?"

Heike versuchte mich zu beruhigen, Emma sei halt eine dominante kleine Sau, die jetzt mal kurz die Rangordnung klären würde.

Die Rangordnung wurde geklärt und seither auch nicht wieder geändert!

Emma ist der Boss!

                     Struppi  - unsere kleine Kampfratte

 

 

Struppi, eigentlich Arnulf Herzog von und zu, kam im zarten Alter von 12 Wochen zu uns.

Volker hatte ihn ausgesucht, weil er der Frechste aus dem Wurf von ca. 10 Welpen war. Er saß auf einem Heuballen oben und verteitigte diesen mit Leibeskräften.

Das wir einen „von und zu“ in der Familie aufgenommen hatten, merkten wir bald.

Struppi lief nicht durch Matsch und in keine Pfützen. So alt er geworden ist, immerhin fast 15 Jahre, hat er sich nie in stinkigem Zeug gewälzt und auch nie irgendwelche nicht zu identifizierenden Dinge unterwegs gefressen. Nie hätte er sich auf die Suche nach menschlichen Hinterlassenschaften gemacht und sie dann auch noch gefressen! Schon der Gedanke ließ Ekel in seinem Gesicht erscheinen.

Und Ekel konnte man ihm wirklich ansehen.

Auf „Urlaub“ bei einer Bekannten von uns sollte, er mal richtig verwöhnt werden. Sie kochte dem lieben kleinen Struppi Hühnerherzen! Struppi kam in die Küche, stutzte, wohl wegen dem Geruch, ging vorsichtig zu seinem Napf, erstarrte und ging staksig rückwärts laufend aus der Küche wieder raus.

Die Blicke, die er unserer Bekannten zusandte, ließen sie erahnen, was er von ihrem Verwöhnmenue hielt! Pfui Teufel, aber auch! Sowas kann doch ein anständiger Hund nicht fressen!

Ein kleines bisschen wählerisch war er halt doch beim Futter. Alles, und damit meine ich nicht nur Hühnerherzen, fraß er nicht. Hatte ich das „falsche“ Trockenfutter gekauft, schaute er genauso an geekelt in seinen Napf, drehte den Kopf, schmiss mir böse Blicke zu, und ging dann auch rückwärts aus der Küche raus. Rückwärts ging er nur dann vom Napf weg, wenn er den Inhalt des Selben zum würgen fand. Als ob er aufpassen musste, dass ihn dieser üble Inhalt nicht noch hinterrücks überfallen würde!

Auch klasse war seine Sortierkunst. Mischte ich Reis unter sein Futter, egal ob Nassfutter oder Trockenfutter, konnte man seine Fähigkeiten bewundern. Reiskorn für Reiskorn wurde rund um den Napf gespuckt, richtig liebevoll, der Rest wurde gefressen. Und ich wäre jede Wette eingegangen, dass Struppi  nicht ein einziges Reiskorn ausversehen gefressen hat!

 

Von seinen Artgenossen wollte er nichts wissen. Diese Renn- und Pöbelspiele waren ihm viel zu blöd! Lieber spielte er mit uns Ball werfen und wieder bringen. Darin allerdings war er sehr ausdauernd.

Mit Bäumen konnte er sich auch lange beschäftigen. Es war wohl sein Lebenstraum, einmal einen Baum durch zu nagen. Hatte er sich einmal „festgefressen“, war er kaum von dem Baum wieder weg zu kriegen.

Ansonsten liebte er es gemütlich und mit viel „lesen“ seine Spaziergänge zu machen. Nur ja kein Streß!

Außer es kam ein Rüde von angemessener Größe, dann wollte er Streß! Er wuchs zu immenser Größe an und wurde Kampfratte:

 

                           

Die Rasse war ihm wurscht, nur groß musste der Andere sein. Nicht nur ein bisschen größer als er, nein schon ein richtiges Stück.

Dann kam er quer über die Wiese geflogen und hing völlig unvermittelt am Hals eines Schäferhundes, oder er versuchte einen Labradormix, von auch nicht zarter Statur, mal eben von dessen Schnüffelstelle zu verdrängen. Ich muss nicht erwähnen, dass diese Aktionen nicht ohne Blessuren für unseren Struppi abgingen. Die Gegner hingegen kamen mit Verwirrtheit über soviel Kühnheit ( oder sollte man es Dummheit nennen?), davon. So was kann ja aber auch schlimm sein!

 

So ein dümpel Spaziergang machte er, als wir mit meiner Freundin und deren Hündin Jenny durch die Heid bei Regensburg liefen.

Wir sahen die Schafe und den E-Zaun drum herum schon von Weitem. Irgendwann hatten uns die Schafe auch entdeckt und je näher wir kamen umso mehr zogen sie sich in eine Ecke zurück. Vorne dran der Leithammel, der uns nicht aus den Augen ließ.

Struppi dümpelte seines Weges. Die Schafe drängten sich noch mehr zusammen – und zack, rasten alle los! Platt war der Zaun! Und sie rannten und rannten und wir staunten und staunten!

Wo war denn Struppi abgeblieben?

Der stand völlig verdattert am anderen Ende des Zauns!

In seiner total verdümpelten Art, hatte er weder die Schafe noch den Zaun wahrgenommen und war voll dagegen gelaufen!

Schreck lass nach, die Schafe waren wegen Struppi davon gerast!

Keine Sorge um die Schafe, die sind wieder eingefangen worden. Wir haben sofort den Besitzer allarmiert.

 

Bei uns im Haus lebte, schon bevor wir Struppi hatten, ein immer und jeden rammelnder Dackel. Weil ich das ganz furchtbar fand (ich hatte deshalb auch eine Hündin bevorzugt), warnte ich Struppi sobald er zu uns kam vor. „Falls ich dich je an einem Bein rammeln sehe, geh ich auf der Stelle mit dir zum Arzt und lass dir alles abschneiden!“

Er hatte mir gut zugehört und meine Worte verinnerlicht.

Nicht einmal in seinem ganzen Leben rammelte er an einem Menschen rum! Und da er auf Nummer Sicher gehen wollte, war er auch bei Hündinnen vorsichtig. Er stieg ausschließlich am Hals der Damen auf. Vorsicht ist schließlich besser als Nachsicht! Und dagegen kann Frauchen ja nichts haben, oder?

Die Hündin meiner Freundin, Jenny, versuchte oft abendelang Struppi dazu zu bewegen, bei ihr hinten auf zu steigen. Sie knapperte ewig seine Ohren durch, leckte ihn, drückte sich unter ihn…….

Spätesten da, stand Struppi knurrend auf und ging!

Jenny verzweifelte an dieser Aufgabe.

 

Bei einem Spaziergang trafen wir auf eine läufige Zwergschnauzerhündin in der Hitze.

Struppi war äußerst interessiert und Volker auch! Er machte sofort mit dem Besitzer der Hündin aus, die Welpen zu übernehmen.

Welche Welpen???

Struppi stieg wie immer am Hals auf! Gibt`s da auch Welpen?

Immer wieder versuchte die Hündin sich unter Struppi zu drehen, doch jedes Mal, wenn sie ihn fast hinten hatte, stieg er ab und am Hals wieder auf! Nach vielen vergeblichen Versuchen der Hündin war sie nicht nur verzweifelt sondern stinksauer! Sie schnappte nach Struppi, der die Welt nicht mehr verstand, und ging!

 

Bei einem anderen Spaziergang trafen wir eine Labradormixhündin mit Frauchen. Auch diese Hündin war läufig und bot sich Struppi an.

Der war ja nun kein Kostverächter, freute sich und sog begierig den „guten Duft“ ein und stieg auf – am Hals!

Nach einer Weile wollte ich weiter gehen und verabschiedete mich.

Doch so einfach kamen mein Hund und ich nicht weg!

„Wie sie wollen gehen? Soll ich jetzt etwa mit meiner frustrierten Hündin heimgehen? Das kann ja wohl nicht wahr sein, oder? Was glauben sie denn, wie die sich jetzt fühlt?“

„Äh, keine Ahnung. Wollten sie etwa von den Beiden Welpen?“

„Darum geht es doch gar nicht! Aber der kann doch meine Lara nicht so stehen lassen!“

Da mir darauf nichts mehr einfiel, sagte ich nur „Struppi, laß uns gehen!“ Drehte mich um und stapfte mit meinem nicht frustriertem Hund davon.

Wir decken doch nicht jede rallige Hündin! Soweit kommt es noch!

 

Noch ein Spaziergang, noch eine „heiße“ Hündin.

Die Besitzerin war allerdings nicht an Welpen interessiert. Gott sei Dank! Wir konnten beruhigt zusammen laufen, da Struppi ja nichts machte -  naja, am Hals halt.

Amüsiert beobachtete die „Hündinmutter“ Struppis Bemühungen.

Nach einer Weile wollte sie es genauer wissen. Wieso Struppi nicht richtig aufsteigen würde und ob- er es tatsächlich noch nie getan hätte?

„Keine Ahnung und nein, noch nie.“

Dann kam die schönste Frage: „ Hast du es ihm denn noch nie gezeigt?“

Soll ich ihm etwa einen Hundeporno besorgen?

„Struppi wir gehen!“ Näher wollte ich auf diese Frage besser nicht eingehen.

 

 

In seinem Hundeleben hat unser Struppi so manches „erlitten“.

Eines Tages brachte unsere Tochter 3 Küken mit nach Hause.

„Die dürfen wir drei Wochen behalten und aufziehen. Dann bringen wir sie unserem Lehrer zurück:“

Na ja, drei Wochen gehen ja rum!

Mit Wärmelampe und guter Pflege watschelten die Drei schon bald hinter uns her durch die Wohnung.

 

Struppi sah mit tropfendem Zahn hinterher. Wehe, wenn er losgelassen!!

Volker meinte daraufhin „Das Klären wir!“, schnappte die Küken und setzte sie Struppi mit in seinen Platz! Ich rannte schnell eine Schüssel holen um seinen Sabber aufzufangen.

Klar ließ er sie in Ruhe – Volker stand ja vor ihm! Das hieß aber nicht, dass er sie nicht zum fressen gern hatte!

Und je größer sie wurden, und sie wuchsen schnell, desto leckerer fand er sie. Ich kam mit aufwischen von seinem Gesabbere nicht mehr hinter her.

 

Da mein lieber Gatte gut zu Vögeln ist, wie er einer Verkäuferin beim Speck kaufen für die Vögel mal erklärt hatte, zogen wir auch den einen oder anderen Wildvogel auf, der aus dem Nest gefallen war.

Diese lebten auf unserem Balkon und hatten striktes Verbot in  die Wohnung zu kommen.

Die Elstern hielten sich eher weniger, der Rabe eher mehr an dieses Verbot.

War Struppi mit draußen fing die Elster Nr.1 an ihn zu ärgern. Sie wusste genau, er durfte ihr nichts tun. Sie hüpfte auf den Boden und stolzierte vor ihm hin und her, dabei frech in seine Richtung krächzend.

Oh, wie gerne hätte er sie ein kleines bisschen gefressen! Tropf!!

Die Blicke, die mein Hund mir zuwarf, kann man nicht in Worte fassen.

Dann kam eines schönen Tages Rudi Rabe! Vom fliegen hielt Rudi nicht viel und so stolzierte er auf dem Balkon rum und betrachtete ihn als sein Reich.

Wenn Struppi Knochen zu fressen kriegte, musste er diese draußen auf dem Balkon fressen. Eines Tages war es wieder mal soweit, Struppi sollte einen Knochen bekommen. Volker nahm den Knochen, ging auf den Balkon und überreichte ihn feierlich Struppi.

Struppi nahm ihn würdig entgegen – und schwupp war er auch schon wieder weg, der tolle Knochen!

Rudi Rabe hatte blitzschnell zugeschlagen!

Struppi war über so viel Unverfrorenheit dermaßen verdattert, dass er wie angedonnert dastand und dem Raben beim vertilgen seiner Beute zu schaute. Schnell, bevor Struppi aus seiner Starre erwachte, holte ich einen zweiten Knochen und stopfte ihn Struppi ins Maul.

Rudi`s Leben war gerettet!

Unser Struppi war nicht Futterneidisch, eigentlich war ihm das gar nicht wichtig, aber bei Knochen war das natürlich etwas anderes. Und dann noch die Frechheit, dass ein Vogel ihm den Knochen aus dem Maul heraus klaute!!!

Sein Futter teilte er sich über den ganzen Tag ein, somit war halt meistens noch was im Napf drin.

Eines schönen Tages spazierte eine Katze zur Balkontür herein, ging geck an Struppi, der in seinem Platz lag vorbei und bediente sich an dessen Futter!

Und was tat unser Hund?? Der blieb liegen und schaute dem Eindringling verwundert zu! Schnaufte tief und schlief weiter!!

 

In einer Hundezeitung hatte ich einen Bericht über die Intelligenz von Hunden gelesen. Es waren sogar verschiedene Test darin beschrieben, die man machen konnte um bei seinem Hund die Intelligenz zu prüfen. Da mein Mann immer behauptete, Struppi sei nicht unbedingt der Hellste – sollte heißen, er sei blöd, wollte ich ihm beweisen, dass er sich irrte. Also machten wir einen der Tests.

Man brauchte ein Leckerli, Becher und Hund. Los gings! Hund Leckerli zeigen, dann unter dem Becher vor seinen Augen verstecken (war der einfachste Test). Ok! Ich zeigte Struppi das Leckerli, er wollte es sofort schnappen – nein- guck- weg ist es! Ab mit dem Leckerli unter den Becher.  Ja, wo ist es denn??? Struppi schaute mich Stirn runzelnd an, drehte sich um und ging!!! Verarschen kann ich mich auch alleine! schien er zu denken. Doch so schnell geben wir doch nicht auf! Ich zitierte ihn wieder her und machte ihn auf den Becher aufmerksam. Brav trottete er zu mir, setze sich hin und wartete geduldig bis ich mit meinen guck doch mal, da ist der Becher fertig war. Gut, dann noch mal von vorne: Leckerli wieder raus, Struppi unter die Nase halten und schnell unter dem Becher verschwinden lassen. So, nun reichte es dem Guten, er stand auf und ging! Wir versuchten das Ganze noch ein paar Mal, mit dem  Erfolg, dass Struppi das Leckerli völlig ignorierte. Du gibst es mir ja eh nicht!

 

 

Was hatten wir jetzt mit diesem Test bewiesen? Eigentlich war er ja schon schlau, er hatte es eben nicht eingesehen sich für so ein Leckerli anzustrengen.

 

Mein Mann gehörte zu der Sorte Hundebesitzer, die Leinen verachten. Ein Hund hatte zu hören! Das tat Struppi auch, wenn er es für richtig hielt oder wenn er sein Herrchen nicht verärgern wollte. Also fast immer! Nun hatte der gute Hund aber das Problem Wasser, in all seinen Erscheinungsformen zu hassen. Ja, auch das Wasser im Napf! Denn wenn er nicht ganz vorsichtig war beim saufen, und darum war er stets sehr bemüht, wurde sein Bart nass!! Igitt!!! Deshalb soff Struppi auch wirklich nur das Allernötigste um nicht auszutrocknen. Wobei er diese Grenze oft erreichte und wir sein Futter mit Wasser anreichern mussten, was er aber ziemlich blöd fand.

Beim spazieren gehen, achtete er sehr darauf um jede Pfütze einen großen Bogen zu machen.

Am aller aller furchbarsten war aber Regen! Wie sollte er da drum herum gehen?

Wenn es draußen regnete machte er an der Haustüre eine Vollbremsung. Ich muss gar nicht! Wir können wieder rein. Nix da, wir gehen!

Draußen lief Struppi an der Wand lang , so lange es ging und dann zwischen Herrchens Beinen, denn der hatte ja einen Schirm! Nur mit dem Pinkeln klappte es so natürlich nicht. Wir können wieder heim, ich muss gar nicht!!

Passte Herrchen mal nicht auf, lief er das eine oder andere Mal auch ohne Struppi spazieren. Der wartete dann brav vor der Haustür unter dem Vordach bis sein Herrchen seinen Morgenspaziergang beendet hatte. Das Menschen aber auch bei jedem Wetter raus müssen!!

 

 

Struppi hatte 8 Jahre ruhig und nach seiner Fasson gelebt, als unsere Kinder plötzlich auf die Idee kamen mit ihm auf den  Hundeplatz zu gehen.

Warum nicht? Vielleicht gefällt es ihm ja!

Also ab in die Jugendgruppe mit Mine und Struppi. Er hätte ja eigentlich zu den Oldies müssen, aber es geht ja nach dem Alter des Hundeführers.

Nun sollte unser guter Strupp über Hürden hüpfen! Wo ist da der Sinn??? Mine konnte gerne hüpfen – Struppi hüpfte jedenfalls nicht!!

 

Die Jugendgruppe hatte einen sehr ambitionierten Trainer. Dieser meinte, Mine sollte mit Struppi spielen!  Spielen!! Reiß und Zerrspiele!!! Was bitte will die von mir??

Mine mühte sich redlich, doch Struppi stand nur da, und sah sie an, als wolle er sie fragen spinnst du?? Was soll denn der Quatsch!?!

Jeder Hund spielt, meinte ihr Trainer.

Allerdings meinte er das nicht mehr lange, denn Struppi lehrte ihn etwas anderes!

 Gut, dann eben Unterordnung.

Klar, machte Struppi, aber nicht wenn der Boden nass war oder es gar regnete. Bei Regen zog er sich diskret zum Unterstand zurück. Und wehe dem, der versuchte ihn da vor zu holen solange es noch regnete! Da wurde aus unserem kleinen Struppi ein ziemlich garstiger Löwe.

Die Motivation von Mine und Trainer sank von Mal zu Mal. Struppi ließ sich mit nichts motivieren zu Dingen, die für ihn keinen Sinn machten, da konnten die Beiden hüpfen und  rennen wie sie wollten.

Nach ein paar Wochen gab Mine auf und Struppi war glücklich wieder seine Ruhe zu haben.

 

 

Mein Schwiegervater kam ca. 2 mal pro Woche kurz vorbei um „Hallo“ zu sagen und Struppi eine rote Wurst zu  bringen. Diese eine Wurst entsprang einer Packung deren Gesamtinhalt fünf Würste war.

Ich geb ihm doch nur Eine! Und jedes Mal war bei seinem Weggang die Packung auf wundersame Weise leer !?!

Schwiegervater weg – Struppi ging kotzen! Und zwar fünf rote Würste! Die Menge war viel zu viel für nur eine einzige rote Wurst!

Unser Struppi war ein Zwergschnauzer und nicht ein Elefant! Obwohl bei fünf Roten würde auch der sich übergeben.

Ich schimpfte solange mit meinem Schwiegervater, bis er endlich zumindest vorgab, zu verstehen.

Ab diesem Tag ging Struppi regelmäßig bevor es klingelte auf den Balkon (wir wohnen im Erdgeschoß) und kam schmatzend wieder rein, während Schwiegerpapa mit nur noch einer roten Wurst in der Packung zur Tür reinspazierte!

Das Ergebnis blieb komischer Weise das Gleiche: Schwiegervater ging – Struppi kotzte – ich schimpfte!

 

 

Eines Tages überfiel mich eine sportliche Welle. Ich erschrak, ich wollte doch tatsächlich joggen!

Laufen mussten wir mit Struppi ja sowieso, also wird ab jetzt nicht mehr gelaufen sondern gejoggt!

Struppi war entsetzt! Sah so etwa ein gemütliches Gassi gehen sein?

Das kam ihm nicht in die Tüte! Wie sollte er denn bei dem Gerenne jeden Pfosten des Zaunes markieren? Und erst die Bäume? Nein, unmöglich, das ging so auf keinen Fall. Also rannte ich auf dem Weg um die Felder rum und Struppi lief quer. So kreuzte er ab und an meinen Weg und war zufrieden. Renn du nur, ich find dich schon wieder. Ansonsten treffen wir uns vor der Haustür, schien er zu denken.

Nach ein paar Versuchen, die leider alle mit meinem Alleinjoggen endeten, musste er an die Leine. Ab da hatte ich noch mehr Sport – joggen mit Gewicht ziehen, das leider die Allradbremse gezogen hat.

Meine Tochter Jasmin, die es ebenfalls „liebte“ mit mir zu joggen, motzte eines Tages Struppi demotiviert einen ja auch total!  Ich muss nicht erwähnen, dass unser " joggen gehen" bald wieder der Vergangenheit angehörte.

Bei soviel Motivation………

 

 

Zur Krönung von Struppi`s Leben kam dann noch Bärle.

Bärle, ein winziges Händchen voll Welpe…

Das Schlimme in seinen Augen daran war: die blieb!!

Er wartete und wartete, aber sie war immer noch da. Es war ja nicht der erste Artgenosse Struppi`s der bei uns eingezogen war, aber die waren ja nach gewisser Zeit wieder gegangen.

Das Furchbarste aber war ihre Umtriebigkeit, die war viel schlimmer als Jenny! Und die hatte ihn schon schwer genervt. ( Jenny war ein paar Mal auf „Urlaub“ bei uns.) Und dann kam dieses Monster auch noch zu ihm in den Korb und wollte kuscheln! Aber doch bitte nicht mit Struppi! Raus!!!

Kaum hatte Struppi sich beruhigt und die Augen wieder zu gemacht, schlich sich Bärle, diesmal ganz vorsichtig, wieder an. Millimeter für Millimeter arbeitete sie sich an ihn ran. Manchmal gelang es auf diese Weise tatsächlich bis an ihn hin zu kommen und sich vorsichtig an ihn ranzukuscheln. Und Struppi?

Der machte dann manchmal ganz langsam seine  Augen auf, verdrehte sie, und schloß sie wieder. Denn eigentlich war es ja schon schön, wenn sie an ihm dran lag. Aber das hätte er nie zugegeben.

Trotz seiner anfänglich tiefen Abneigung gegen Bärle wurden sie ein eingeschworenes Team und das blieb auch bis zum Schluss so.

Ziegen?!?

 

Ihr habt Ziegen???

Wo wohnt ihr? In Stuttgart? Wo habt ihr denn da Ziegen?

Naja, wir wohnen in Stuttgart, und ja wir haben Ziegen - und nein, nicht in der Wohnung! Auch nicht auf dem Balkon!

 

Und warum???

Da fang ich doch mal ganz von vorne an.....

 

Hinter unserem Haus gibt es Gartengrundstücke, Wiesen und Felder.

Wir wohnen nämlich am Rande der großen Stadt!

Vor zwischenzeitlich doch ganz schön vielen Jahren, nämlich so ca. 15, kauften wir einen der Gärten.

Durch den Hof, über das Anliegersträßchen und rein in unseren Garten.

Wir gestalteten den etwas verwahrlosten Garten um, pflanzten, säten und gruben - und mähten Rasen.

Letzteres manchen Sommer ziemlich oft.

Eines Tages meinte mein lieber Gatte, er hole ein Ziegenpärchen her. "Dann brauchen wir nicht mehr Rasen mähen!" Ich wehrte mich mit Leibeskräften dagegen. "Auf keinen Fall kommen Ziegen in`s Haus, bzw. in den Garten! Ich mäh den Rasen."

Wie immer, ganz plötzlich, stand wieder mal der Geburtstag von Volker an. Alle Familienmitglieder waren, wie beinahe jedes Jahr, sehr ratlos was man denn schenken könnte. Meistens fiel uns ja noch irgendwas ein, aber dieses Mal....

 

Da kam ausgerechnet mir die durchschlagende Idee!

"Wir schenken Papa Ziegen! Dann kann Marcel ihm die Hilfe beim Stallbau schenken und wir die Tiere!"

Jasmin, unsere Mittlere, wollte sich raushalten.

"Dann sind wir immer die Blöden und müssen nach den Viechern gucken! Das schenk ich nicht! Da halt ich mich raus!"

Blieben wir drei Anderen. Marcel war dafür.

"Ich schenk ja dann nicht die Tiere, sondern die Hilfe beim Stallbau! Wenn der fertig ist, bin ich raus! Das machen wir!"

Nicki, unsere Große, die ja schon lange nicht mehr zu Hause wohnte, fand die Idee gut.

Warum wohl???

Das Geschenk war beschlossen! Und Tiere schnell gefunden. Jeder Tierpark ist froh, wenn er welche verkaufen kann.

"Wissen Sie, wir ziehen die Zicklein auf, und wenn es zu viele sind, dann werden sie Tierfutter!"

"Oh Gott!!! Nein!!! Wir nehmen zwei!

 

Abgabetermin - 3 Wochen nach Volker`s Geburtstag!

Perfekt!!

Volker arbeitet am besten unter Zeitdruck.

Weniger als drei Wochen - unmöglich.

Mehr als drei Wochen - wird nie fertig!

Auch Marcel war mit dem Zeitrahmen absolut zufrieden.

Nicht zu viel Stress - aber absehbar. Cool!!!

Nie mehr Rasen mähen! Noch cooler, oder?

 

Der Stall war tatsächlich nach 3 Wochen erbaut.

Und nicht nur ein Wetterschutz, wie völlig ausreichend wäre, nein ein richtiger Stall. Isoliert!

Schließlich sollten sich die Ziegen ja wohlfühlen.

Zum Abgabetermin fuhren wir mit Hundebox bewaffnet zum Tierpark. Nicht diskussionslos!

2 Ziegen in die Gitterbox vom Hund???

Ja, da passen die noch rein!

Nein, niemals!

Doch!

So fuhren wir los.

Die Auswahl war nicht einfach, aber ja eigentlich Volker`s Sache!

Er suchte den schwarz-weissen Bock - genannt Clyde- aus und die braun gestromte Ziege - genannt Bonny!

Gott waren die goldig! So klein und schüchtern!

 

Als der Sommer kam, waren sie weder klein noch schüchtern.

Sie hörten auf ihre Namen und dackelten Volker, der sich bis dahin mehr oder weniger allein um sie gekümmert hatte, auf Schritt und Tritt hinterher.

Als es anfing früher und früher dunkel zu werden übernahm ich die Abendfütterung.

So begann unsere Freundschaft.

 

Apropo Rasenmähen!

Im ersten Sommer waren sie dafür absolut noch zu jung!

Sie fraßen Gras, ja, aber erst nachdem es gemäht und sauber auf einen Haufen zusammengerecht war.

Volker:" Klar, die sind ja noch zu jung! Nächstes Jahr grasen sie bestimmt!"

OK! Das war schon ein Argument, aber warum waren sie für die Rosen und die Büsche nicht zu jung?

Naja, das wird schon werden.

 

Mit den Hunden, Struppi und Bärle, verstanden sie sich soweit gut.

Struppi hatte an den Beiden überhaupt kein Interesse, was ihm leider das Eine oder Andere Mal zum Verhängnis wurde.

Bärle hatte den Beiden gleich gezeigt, wer hier der Chef war .

Clyde hatte es erst nicht ganz begriffen, aber nachdem ihm Bärle ordentlich in den Hintern gebissen hatte, war es ihm dann doch klar.

Da kam ihm doch der verdümpelte Struppi ganz recht.

Der schnüffelte sich mal wieder durch den Garten, ohne mal auf zu schauen. Die Gelegenheit!

Zack rauf auf die Hörner und schon flog Struppi durch die Luft!

Doch auch unser Struppi hatte seine Schmerzgrenze!

Nachdem Clyde das ein paarmal mit ihm gemacht hatte, sah er rot! Und dann wurde er zur männlichen Furie! Und wenn er stinkig war - war er stinkig!

Er ging auf Clyde los und biss sich fest!

So, Fronten geklärt!

 

Da bei Ziegen die Böcke mit Geschlechtsreife anfangen zu stinken, entschlossen wir uns Clyde zu kastrieren.

Eigentlich wären wir schon geneigt gewesen uns über ein kleines Zicklein zu freuen, aber bei aller Liebe - nein!

Gestank ging vor - also Kastration.

"Sechs Wochen kann es aber noch passieren", klärte uns die Tierärztin auf.

Cool, dann klappt`s vielleicht doch noch!

Vor dem Eingriff tat mir Bonny oft leid.

Bei jedem Sonnenstrahl wurde Clyde aktiv und sie wußte nicht mehr wohin, klemmte an der Wand oder rannte davon.

Mit dem Eingriff ging es Bonny besser - sie hatte ihre Ruhe!

Mehr oder weniger - das lies mich hoffen.

Und siehe da - Bonny wurde dicker - und der Bauch bewegte sich! Doch! Ganz sicher!

Als routinierter Ziegenhalter erkannte ich das sofort!

 

Sylvester kam und damit die Angst, Bonny könnte vor lauter Schreck zu früh werfen.

Als um kurz vor zwölf die Knallerei losging, rannte ich in den Stall, gefolgt von meiner Freundin Annette.

Das erste Sylvester im Stall!

Wir Beide, die Hunde und die Ziegen - und eine Flasche Sekt!

Gott war das schee da oben!

"Das müssen wir nächstes Jahr wieder machen!", sprach meine Freundin." So scheeeeeee...."

Bonny bekam kein Zicklein in dieser Nacht - und auch später nicht.

Bewegt hatte sich wohl ihr Gedärm und dick war sie zwecks Unterbehaarung geworden!

Es war trotzdem schön gewesen - Sylvester im Stall!

Das schweißt zusammen! Alle knallen und wir erwarten eine Geburt!

 

Die Beiden fingen an ihre Sprungkraft zu trainieren.

Von nun an mussten wir sie ständig aus Nachbar`s Gärten holen.

Jede Woche wurde das Gehege erhöht.

"Langsam wird es schwierig noch höher zu bauen!, meinte der Ziegenbesitzer.

"Die müssen ausgelastet werden! Nur mit Gassi gehen reicht halt nicht!" Leinen führig waren sie ja.

Kurz entschlossen bestellte ich Halfter. Die Idee: sie müssen "ziehen" lernen.

Bei der Suche nach einem größeren Gegenstand zum ziehen, kam mir beim Reifen wechseln lassen gleich das richtige unter die Augen: Reifen!

Der nette Herr in der Werkstatt hatte auch  tatsächlich Einen übrig.

Zu Hause bastelte ich Leinen dran und zog Clyde Halfter und Zuggeschirr an.

Vorsichtshalber, falls er es doch nicht gleich so gut finden würde, blieb ich mit ihm im Gehege.

Klick, klack- befestigte ich den Reifen am Geschirr.

Clyde ließ es ruhig geschehen!

Ok, dann mal los!

Wir liefen auf und ab , rechts und links und wieder zurück.

Es klappte super!!

Was Clyde kann, sollte Bonny doch auch hin kriegen.

Gleiches Prozedere und.....ich fand mich am Boden sitzend wieder!

Drohend pfiff der Reifen durch die Luft!

Bonny war zur gleichen Zeit hoch- nach rechts- nach links- und zurück gesprungen und das mit dem Reifen hinten dran! Der brachte sie wohl noch mehr in Schwung!

Da half nur noch sich platt auf den Boden zu legen und abzuwarten bis sich Madame wieder beruhigt hatte.

 

Clyde zog ab dem Tag auch beim Gassi gehen den Reifen hinter sich her, während Bonny klar gestellt hatte, dass sie keine "Zugziege" werden würde.

 

Die Schafe kamen bei uns an und sollten in den Stall neben den Ziegen einziehen.

Leider hatten wir die Rechnung ohne unsere Beiden gemacht.

Bonny und Clyde zeigten uns mal eben, wie hoch Ziegen springen können und standen regelmäßig bei den Schafen drin. Leider standen sie nicht nur! Nein! Sie zeigten den Schafen auch eindrucksvoll was man mit Hörnern anfangen kann indem sie sie auf dieselben nahmen.

So ging das nicht!

Wir pachteten ein Stück weiter oben einen ehemaligen Acker und machten ihn vorne und hinten zu.

Ich kaufte dafür einen 2m hohen Zaun - Volker erklärte mich für nicht ganz dicht. Aber nicht lange!

Er baute einen Stall und die Ziegen wurden umgezogen.

Sooooooo viel Platz! Das wird ihnen gefallen!

Falsch!!

Jedes Mal, wenn man in den Garten kam, waren die Beiden wieder da.

So wurde Zaun um Zaun gezogen und erhöht und wieder eine neue Stelle dicht gemacht.....

Zur Erklärung: das Grundstück ist 250m lang und hat auf der oberen Längsseite einen dichten, bzw. halt auch nicht so dichten, Gebüschgürtel.

Vorne kam mein gekaufter Zaun hin (2m hoch), und am anderen Ende hat Volker ein Tor eingebaut.

"Durch das Gebüsch gehen die nicht durch! Warum auch?!",sprach einst mein Gatte.

Erst wurde neben dem Tor erhöht und gestachelzaunt und nach und nach mussten wir dem Gebüsch auch auf die Sprünge helfen.

Die Beiden kamen nicht mehr!

Geschafft!

Wieder nicht ganz richtig!

Nun fanden die Beiden den Garten unterhalb toll.

Blöd nur, dass sie zwar völlig ohne unsere Hilfe runter kamen, aber nicht wieder hoch!

So fing das Spiel an "unter dem Zaun durch kriechen, Ziege oder Bock schnappen und unter dem Zaun nach oben durch schieben.

Leider, leider lieben es Ziegen nicht besonders so runter gedrückt zu werden, deshalb musste man zu zweit sein. Einer schiebt von unten, der Andere zieht nach oben.

 

Eines schönen (wirklich schönen und heißen) Tages, als ich zur Fütterung kam, waren sie wieder einmal aushäusig.

Schade!

Ich stand im Gehege und überlegte, ob ich die Rückholaktion alleine versuchen sollte. 35Grad im Schatten!

Da kam eine Freundin vorbei.

"Ach, schon wieder im anderen Garten die Zwei! Soll ich dir helfen?" "Oh, ja!"

Sie setzte ihren Hund draußen ab und kam rein.

Ich drückte ihr eine Büchse Futter in die Hand und erklärte ihr , was zu tun war.

Als Erstes mich rüber (unten durch) kriechen lassen, dann ordentlich mit der Büchse schütteln, dass die Ziegen angelockt werden. Als nächstes Ziege an den Hörnern hochziehen und dann aufpassen, dass sie oben bleibt, bis Nr.2 auch wieder da ist.

"OK!"

Los ging`s!

Sie schüttelte und rief  und schüttelte und rief......

Ich schnappte Clyde, drückte ihn mit aller Kraft unter dem Zaun durch und sie zog was das Zeug hielt um ihn nach oben zu bringen.

Geschafft! Im wahrsten Sinne des Wortes!

"Jetzt war ich vom Freibad so erfrischt. Gott sei Dank hab ich den Badeanzug ausgezogen, ich würde ja jetzt noch mehr schwitzen", sprach`s und schüttelte eifrig weiter mit der Futterbüchse. " Schön dableiben Clyde!"

Bonny hatte die Aktion verfolgt und hielt schön Abstand zu mir. "So nicht mit mir!" schien sie zu denken.

Meine Freundin sprang während dessen oben hinter Clyde her, weiter auf ihn einsingend, er solle ja dableiben.

Endlich hatte ich Bonny. Wir waren gerade dabei sie nach oben zu verfrachten, da stieß mich Clyde von hinten an!

Ein Aufschrei von oben " Der war doch grade noch bei mir!"

Jo, gerade.....

 

Ein anderes Mal hatte sich Clyde ohne Bonny zur Erkundung weiterer Gärten aufgemacht.

Ich fand ihn mit einer anderen Hundefreundin in einem hermetisch abgeriegelten Garten wieder.

Was nun??

Maria`s Idee:"Du kriechst unter dem Zaun durch, hebst ihn hoch und ich nehme ihn dir hier draußen ab."

Der Zaun war so fest gespannt, dass man ihn kaum anheben konnte und ging natürlich bis ganz genau zum Boden.

"Da komm ich doch nie durch!" "Versuchs!"

Gut.

Ich legte mich flach auf den Boden und schob irgendwie meinen Kopf durch, nun drückte der Zaun am Hals! Hilfe!!

Mir fiel ein, dass man bei Tieren immer sagte, wo der Kopf durch passt, passt auch der Rest durch!

Also weiter!

Mir grauste schon vor dem Rückweg bevor ich überhaupt den Hinweg geschafft hatte.

Clyde kam freudig zu mir her, ich konnte ihn auch umfassen, nur leider konnte ich mit ihm auf dem Arm nicht mehr aufstehen, geschweige denn ihn auch noch hoch heben.

Der Zaun war nicht nur gut gespannt, er war auch extrem hoch!

Es half alles nichts, wir brauchten noch Jemand.

Jasmin kam.

Maria schob sich genauso mühsam unter dem Zaun durch wie ich zuvor und Jasmin übernahm die Stellung vor dem Zaun.

Zu zweit sollten wir es schaffen ihn hoch zu heben.

Wir wuchteten ihn hoch und zack stieß er sich an Maria`s Schulter ab und stand vor Jasmin. Die brachte ihn zurück zu seiner wartenden Bonny.

Maria und ich richteten das ziemlich mitgenommene Beet, das leider direkt am Zaun entlang war und standen dann vor der wunderbaren Aufgabe wieder so flach wie Flundern zu werden.

Warum müssen Menschen ihre Gärten aber auch so hermetisch abriegeln!

 

Eine wundervolle Aufgabe ist es auch den Beiden die Klauen zu schneiden.

Bonny wehrt sich nicht nur aus Leibeskräften, was mir schon viele blaue Flecken beschert hat, nein, sie schreit auch noch als ob sie bei lebendigem Leibe gehäutet würde!

Clyde verzichtet auf das Geschrei, aber wehren tut er sich dafür ordentlich.

Da ich zu feige war zu schneiden, musste ich festhalten, sehr zum Vergnügen meines Mannes!

Einmal fand ich die Idee gut, Clyde zwischen meine Beine zu klemmen und ihn an den Hörnern fest zu halten.

Das hat er dann völlig falsch verstanden. Er fing an mit mir Bullriding zu spielen und warf mich gekonnt ab!

Volker lachte und ich lag im Dreck meine Knochen sortierend.

Ein anderes Mal fiel ich mit Bonny zusammen um und lag "Arm in Arm" mit ihr am Boden.

Nein, loslassen gilt nicht! Ihren Körper hatte ich im Griff, nur leider ihre Beine nicht.

Sie tat immer wieder so, als ob sie sich ergeben hätte und lag reglos mit geschlossenen Augen da. Dann riss sie die Augen auf, starrte direkt in meine, verdrehte die ihren und ab ging die Post!

Mein Hintern ist ja gut gepolstert, aber trotzdem......

Junge konnte die zu treten!

Es ist nicht erwähnenswert, dass wir mit dieser Vorstellung zu Volker`s Erheiterung beigetragen haben.

 

Nach ein paar dieser Erlebnisse musste sich etwas ändern.

Schließlich kann man alles trainieren!

Jedes Mal, wenn die Beiden fraßen, stellte ich mich daneben und fuhr mit meiner Hand den Vorderlauf runter. Nach ein paar Tagen klappte das ganz wunderbar.

Steigerung!

Mit der Hand runterfahren und Bein anheben.

Kleiner Rückschlag, also wieder von vorne anfangen.

Nach einiger Zeit konnte ich bei Beiden die Vorderläufe anheben und mit der Schere berühren. JUHU!!

Und da überholte ich mich mal wieder selbst!

Was vorne klappt geht hinten auch, dachte ich und hob Bonny`s Hinterlauf ohne Vorübung an.

Bums! Mir schossen die Tränen in die Augen und meine Nase fühlte sich sehr zermatscht an. Bonny hatte mir die Härte ihrer Hörner gezeigt.

Torkelnd meine Nase haltend, kam ich aus dem Stall.

Meine Tochter erschrak ziemlich.

"Oh Gott, Mutti! Ich fahre dich ins Krankenhaus!", sagte sie, bevor sie wissen wollte, was passiert war.

"Klar, und was sag ich denen was passiert ist? Das glaubt doch Keiner! Ne, das wird wieder!"

Und es wurde wieder, aber ein paar Tage ließ ich die Übungen ausfallen.

Dann fing ich wieder damit an. Erst der Vorderlauf und dann am Hinterlauf. Vorsichtig, Schritt für Schritt, bis - ja, bis ich mich wieder überholte.

Wumm! Mein Unterkiefer hing schief. Zumindest gefühlt!

Wow, das tat weh!

Meine Familie war wieder für einen Arztbesuch, und ich wieder nicht.7

Doch nach vier Wochen Schmerzen überlegte ich es mir anders.

Ich erkläre der Zahnarzthelferin, dass ich vor 4 Wochen einen Schlag gegen meinen Unterkiefer bekommen hatte und nun immer noch Schmerzen hatte.

Sie riss erschrocken die Augen auf! " Sie haben sich geschlägert????"

Hätte ich ihr da die Geschichte mit der Ziege erzählen sollen?

Da hätte sie doch gedacht, ne blödere Ausrede hab ich auch noch nie gehört.

Ich ließ die Frage im Raum stehen und ging ins Wartezimmer.

 

Übrigens habe ich nach diesem Erlebnis das Training abgebrochen. Ich trau mich jetzt aber schneiden......

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Jeanette Unterseher